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BeitragVerfasst: 24.05.2007, 09:09 
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Knutt hat geschrieben:
Ich bin sehr dafür, dass man Fremdsprachen intensiv lernt, aber wer meint, dass eine Fremdsprache mit der Muttersprache oder Vatersprache gleichzusetzen ist, der versteht wirklich nichts von Sprachen, wobei ich den Ausdruck „Zweitsprache“ noch für gelungener halte.


Genau darum geht es, und das macht sich in DK besonders bemerkbar, weil die Forschung und kenntnisse in diesem Gebiet in DK um ein paar Jahrzehnten zurück sind - verglichen mit andere Länder.

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BeitragVerfasst: 24.05.2007, 09:59 
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Beiträge: 4152
Wohnort: Sønderjylland, DK
Hej!
Eine Zweitsprache ist in der Forschung normalerweise definiert als die Sprache eines Landes, in dem man lebt, ohne dass es die eigene Muttersprache ist.

Ein Beispiel:
Ein deutscher Urlauber ind DK spricht möglicherweise Dänisch als Fremdsprache.
Ein Deutscher, der nach DK umgezogen ist, um dort zu leben, lernt und spricht Dänisch als Zweitsprache.

Ja, Lars, Spracherwerbsforschung ist hier leider zum Einen einige Jahre zurück, zum Anderen auch leider verpönt.

Gruss, vilmy


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BeitragVerfasst: 24.05.2007, 14:48 
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Wohnort: Sall
Ob es direkt verpönt ist, weis ich nicht? Ich sehe das eher als absoluter Unkenntnis. Man weis gar nicht, was Spraherwerbsforschung ist und wozu das gut sein könnte.

Das ist eben geschichtlich bedingt, weil es gab im ganzen Land (fast) nur eine Sprache (nichts wie Schweiz oder Belgien), es gab kaum Einwanderung und niemanden außerhalb hat Dänisch gelernt. Daher gab es kein Grund sich damit zu beschäftigen.

Ähnlich sieht es aus bei der Ernährungswissenschaft. Das war schon im 19'ten Jahrhundert Universitäts- und Forschungsfach in Norwegen und Schweden, weil man dort traditionel Probleme hatte, die eigene Bevölkerung zu ernähren. In DK hat es nie Hunger gegeben, daher war die Forschung in diesen Gebieten immer weit zurück.

Das Ergebnis ist leider, daß Dänen im allgemeinen nicht verstehen, daß Muttersprache und Fremdsprache zwei grundlegend verschiedene Sachen sind, und daß die dahinter liegende Lernprozesse mit einander nichts zu tun haben. Sie verstehen auch nicht, daß Kinder ohne Probleme zwei verschiedene Muttersprachen haben können und daß diese von einander unabhängig gelernt werden. Und viele (auch verantwortliche politiker) glauben immer noch, daß eine zweite Muttersprache bei Kindern zur Defizite in der erste Muttersprache führen - eine Irrglaube, daß man in anderen Ländern schon vor 30 Jahren aufgegeben hat.

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BeitragVerfasst: 24.05.2007, 16:33 
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Registriert: 15.11.2005, 13:44
Beiträge: 774
Wohnort: München
Dieses Missverständnis gibt es aber in Deutschland auch noch zu Hauf.
Wir erleben das immer und immer wieder selbst an den (sorry: dummen)
Fragen und Hinterfragen der Familie und Freunde.

"Lernt er jetzt nun mehr deutsch oder nur dänisch?"
"Versteht mich das Kind überhaupt, wenn ich mit ihm spreche?"
Bei Oma in DK, wird oft nur deutsch mit dem Kind gesprochen, als
verstände es kein dänisch. Obwohl wir genau dort dänisch sprechen,
dass sich die Balken biegen, da man es ja in München nicht hört.

Ich denke, auf dem Bereich Mehrsprachigkeit muss noch viel erforscht werden.
Wie oft höre ich dann wieder: "jaja, mehrsprachige Kinder benützen ja beide Gehirnhälften, die sind ja viiiiel intelligenter."
Naja, mal abwarten, wenn er in die Schule geht. ;-)

Muttersprache und Fremdsprache wird oft verwechselt.
Und ich hab auch das Gefühl, dass inzwischen jede Mami
mit ihrem Knirps englische DVD's hört und sieht. Sei das
eigene Englisch noch so besch... Ich selbst spreche wirklich
fliessend Englisch, würde es aber nicht wagen. Immer wieder
schleichen sich kleine Fehler ein, die das Kind übernehmen würde.
Das gleiche mit Dänisch. Natürlich verstehe ich fast alles und man
hat die ein oder andere Floske intus. Doch man muss konsequent
bei seiner Muttersprache bleiben.

Zum vorherigen Beitrag bzgl. Kultur muss ich sagen:
ich hab in einer seeehr grossen japanischen Firma gearbeitet.
Das englisch Niveau der Japaner ist bekanntlich nicht das Beste.
Aber wenn von ca. 500 Entwicklern nur 50 Deutsche dabei sind
und der Rest aus allen Herren Ländern kommen, dann ist natürlich
Englisch DIE Geschäftssprache. Und natürlich war es immer angenehm und einfacher, wenn mein Gegenüber besser sprechen konnte.
Doch in so einem Milieu lernt man auch schnell, Rücksicht zu nehmen.
Auch die Japaner (meist Manager in hohen Positionen) mussten Vorträge halten, die oft nicht zu verstehen waren. Man gewöhnt sich an, langsamer und "einfacher" zu sprechen. Unsere Engländer nannten es immer
baby language. Aber interkulturell lernt man viel mehr dabei,
als auf irgendeinem Seminar. Ich habe die Jahre dort genossen und vermisse sie, auf Grund der Leute.


Mit mehrsprachigen Grüssen
aus dem sonnigen München,
Sabine


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BeitragVerfasst: 24.05.2007, 16:45 
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Registriert: 22.02.2002, 11:23
Beiträge: 4050
Hej Sabine!

Dieser Trend von Englisch im KIGA und daß 2 deutsche Eltern dann doch Englisch mit dem Kind reden (neulich las ich ineinem Forum zu mThema sogar, daß die eine Mutter bewußt "Pidgin-Englisch" mit ihrem Kind sprach, damit es so wenigstens brockenweise Englisch mitbekäme!!! :shock: ) fällt in den einschlägigen Foren auch immer mehr auf - da wird die PISA-Studie und der deutsche zielgerichtete Leistungsdruck leider in den Vordergrund gestellt.

Aber anders ist es eben mit der Forschung - zum Thema Sprache, Spracherwerb und auch Mehrsprachigkeit wird doch einiges mehr in Dtld. als in DK betrieben.
Das liegt sicher auch daran, daß Dtld. doch schon seit den 60er Jahren auch prozentual viel mehr Gastarbeiter(kinder) im Land hatte als DK.

Daß sich Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller nie mit dem Thema viele Sprache in einer Familie oder auch nur dem Spracherwerb des eigenen einsprachigen Kindes befaßt haben, ist in allen Ländern ja normal --- wenn aber Politiker durch falsche Bezeichnungen, falsche Prioritäten und abwertende Beurteilungen das Thema Zweisprachigkeit stigmatisieren, dann überträgt sich das auch auf ganz andere Bereiche in der Bevölkerung, die mit der Sprache gar nichts mehr zu tun haben.
So geschieht es leider hierzulande.

was das Englisch in Firmen und an Schulen angeht --- da erzählte einmal eine Mutter, die mit dem Rektor einer Schule gesprochen hatte, an der der Unterricht in Englisch erteilt wurde:
Ihr Sohn wird Ihnen die Quantenphysik dann nurauf Englisch erklären können.

und daliegt eben der Hase - vor allem bei den Firmen - im Pfeffer, denn wenn man nur fachlich mit einander auf Englisch - selbst höchstes Niveau - kommunizieren kann, dann fallen auch soziale Komponeten weg.

Gruß Ursel, DK

_________________
""Den virkelige opdagelsesrejse går ikke ud på at finde nye lande,
men at se med nye øjne."

---------------------------------------------------------Marcel Proust
...


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BeitragVerfasst: 24.05.2007, 16:53 
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Registriert: 15.11.2005, 13:44
Beiträge: 774
Wohnort: München
Hej Ursel,

da ich derzeit auf KiGa-Platzsuche bin, hab ich da so einiges mitbekommen.
Ich muss zugeben, dass ich auch kurz darüber nachdachte,
Junior evtl. ab dem 2. oder 3.KiGa-Jahr zusätzlich englischen
Fremdsprach-Unterricht zu geben, wenn dies der KiGa anbietet.
Doch jedesmal als ich in den KiGa's nachfragte, bekam ich erzählt,
dass man nun wieder davon abkommt. Man konzentriert sich jetzt
wieder mehr auf die deutsche Sprachpflege. Damit haben die genug
zu tun.
In einem städtischen KiGa bei mir um die Ecke mit 100 Kindern
gibt es EINE interkulturelle Sprachpädagogin. Sprich sie soll den
Kiddies deutsch beibringen. Wie wiel sie bei 100 Kindern mit 85%
Ausländeranteil schafft, weiss ich nicht....

Dann hat mir zu denken gegeben, dass eine Bekannte von mir (gebürtige Griechin, lebt sein 30 Jahren in Deutschland, verheiratet mit Columbianer) eine Sprachschule für Kinder aufgemacht hat und nun - tataaa - auch Englisch unterrichtet. Ihr Englisch war wirklich immer
- ohne angeben zu wollen - deutlich schlechter als meins.
Na dann kann ich das auch gleich selbst machen und spare mir einen Haufen Geld. Ikk' os?


Wünsch Euch allen ein schönes Pfingstwochenende
ohne Regen !!!

MKH,
Sabine


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BeitragVerfasst: 25.05.2007, 09:58 
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Beiträge: 42
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Hej,

es ist schon erstaunlich, dass es wirklich noch das Vorurteil gibt, dass muttersprachliche Mehrsprachigkeit sich hinderlich auf die Sprachentwicklung von heranwachsenden Kindern auswirken könnte. Es gibt genügend Untersuchungen, die dieses widerlegen. Interessant ist auch die Studie zum Thema „Babys erkennen Fremdsprachen an der Mimik“. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass einige nicht mehrsprachige Eltern sich nur kurz mit dem Thema beschäftigen, verkürzt darüber nachdenken- „Was ist das Beste für mein Kind?“ und plötzlich meinen, mit englischen Babyworthäppchen ihr Kind fördern und füttern zu wollen. Das hat aber nichts mit Mehrsprachigkeit zu tun. Die angloamerikanischen Häppchen bekommen sie auch früh genug durch die Medien verabreicht.

Ich stimme zu, dass eine internationale Konzernsprache nützlich ist.
Interessant aber ist die Formulierung:

Zitat:
Unsere Engländer nannten es immer
baby language.



Sprache dient nicht nur ökonomischen Interessen, sondern erfüllt viele andere wichtige Funktionen.
Deshalb hoffe ich sehr, dass die Vielfalt der Sprachen erhalten bleibt, denn die Muttersprache oder mehrere Muttersprachen ermöglichen vielfältige und differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten und Denken - also viel mehr als baby language.

Gruß

Knut


@Vilmy: Du hast natürlich Recht, Zweitsprache, Zielsprache, Fremdsprache sind eindeutig definiert.


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