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 Betreff des Beitrags: Das Jahr der Entscheidung
BeitragVerfasst: 10.10.2009, 23:06 
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Ich habe gerade zum zweiten Mal den ZDF-Doku "Das Jahr der Entscheidung" gesehen und jetzt gerade "Setzen, sechs". Wer sie noch nicht gesehen hat, findet sie bei www.heute.de unter "ZDF Mediathek". Was die Sendungen zeigen ist in meinen Augen ziemlich schrecklich. Für mich wäre es zumindest ein Grund, niemals in DE mit Kindern zu wohnen.

Ich wundere mich nur, warum nichts geändert wird? Warum nimmt Ihr hin, dass Eure Kinder diesen Stress ausgesetzt werden?


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BeitragVerfasst: 10.10.2009, 23:29 
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Geht es um das Schulsystem?


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BeitragVerfasst: 10.10.2009, 23:45 
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Es ist wirklich sehr schade daß man in Deutschland eingestuft wird, sozusagen: du bist 'dumm'- Hauptschule, du bist 'normal gut'- Realschule und du bist gut- Gymnasium.
Auch ich hoffe daß es endlich abgeschafft wird.
Man hat aber doch die Möglichkeit daß das Kind auf eine Gesamtschule geht. Gesamtschulen werden immer beliebter und ich glaube bald wird es aussterben mit den Hauptschulen.
Kinder die heute von eine Hauptschule kommen haben leider keine oder kaum Chancen im weiteren Leben, sie werden gleich abgeschrieben, sie müssen dann ekstra doll kämpfen oder geben auch sich selbst auf und landen bei Hartz IV. Das ist ein großes Problem.

Es ist aber auch schade zu sehen wie wenig Kinder ein Buch zu hause haben und wie egal die Eltern sind.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.10.2009, 08:22 
Hallo,

als Vater zweier Töchter die beide auf das Gymnasium gehen, kann ich da nur anmerken:
Das deutsche Schulsystem mit der vorzeitigen und willkürlichen "Selektion", wer denn nun die Chance auf Bildung bekommt und wer nicht ist geradezu PERVERS, und eine soziale Diskrimminierung aller ersten Ranges.

Kinder entwickeln sich nun einmal unterschiedlich schnell, deshalb soillte man ihnen Zeit geben erst einmal ihren eigenen Lernstil entwickeln zu können.

In meiner Grundschulzeit haben es die Lehrer geschafft uns Kinder trotz Klassengrößen von teilweise (heutzutage unvorstellbaren) über 40 Schülern. spielerisch an den Lernstoff heranzuführen, und uns Spass am Lernen zu vermitteln.

Natürlich gab es damals schon die Einteilung in 3 verschiedene Schulformen, aber damals konnte man bei "Spätzündern" auch noch nach der fünften Klasse auf eine weiterführende Schule wechseln.
Und weil der Lernstoff dann bis zu siebten Klasse auch nicht allzusehr voneinander abwich, war es für begabte Schüler auch nicht unmöglich später in höherer Schulform "aufzusteigen".
So haben es einige ehemaligen Mitschüler es nach dem Realschulabschluss geschafft auf das Gymnasium zu wechseln und das Abitur zu machen.
Ich war da wohl ein extreme Spätentwickler, denn ich habe es erst mit 37 Jahren per Abendschule gerade mal zum Fachabi geschafft. :?
Als typisches Arbeiterkind aus der "Unterschicht" bin ich aber trotzdem stolz darauf.

Aber was da heute so abläuft ist schlicht und einfach eine staatlich sanktionierte Sauerei, welche Kindern aus einfachem Elternhaus praktisch von vorneherein von den höheren Schulformen ausschliesst.
Und der Skandal ist, das dies wohl ein Kniefall der Politik vor dem Standesdünkel der gehobenen Mittelschicht und der sogenannten "Elite " ist.
Eine Auffassung übrigens, die von allen Lehrern in meiner Verwandtschaft und Bekanntschaft geteilt wird.

Heute ist es anscheinend völlig normal, dass bereits Grundschüler mittels massiver Nachhilfe darauf "getrimmt" werden, bis zur "Selektierung" durch die Grundschullehrer genau die Leistung zu bringen die erforderlich ist um eine verbindliche Empfehlung zum Besuch einer weiterführenden Schule zu ergattern.
Pech also für alle Kinder, deren Eltern weder dazu in der Lage sind ihrem Nachwuchs selbst lerntechnisch unter die Arme zu greifen, oder denen schlicht und ergreifend die finanziellen Mittel fehlen um Nachhilfelehrer zu bezahlen.
Und doppeltes Pech für Kinder die zwar hochintelligent sind, aber entweder aus sprachlichen Gründen, oder schlicht als Spätentwickler erst NACH dem Stichtag weit genug sind um die Anforderungen zu schaffen.

Ich weiss noch welchen Kampf wir damals mit der Grundschulleiterein meiner jüngsten Tochter ausgefochten haben, nur weil diese damals noch ein wenig "verspielt" war, und sie dieser trotz sehr guter schulischer Leistungen (ganz ohne Nachhilfe) nur eine Empfehlung für die Realschule aussprechen wollte.
"Sie werden schon sehen, dass ihre Tochter das Gymnasium NIE schaffen wird, schliesslich kann ich das als Lehrerin besser beurteilen als Sie." war die patzige Begründung.
Komisch nur das das angeblich "unbegabte" Kind heute selbst ohne großartige "Zusatzförderung" zu den besten ihrer Jahrgangsstufe gehört, und mittlerweile ihr Taschengeld aufbessert, indem sie Mitschülern die seinerzeit problemlos eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen haben, Nachhilfe gibt. :mrgreen:

Unter den heutigen Bedingungen wäre ich wahrscheinlich auch unter den Loosern gewesen, die in die Hauptschule "aussortiert" werden.
Vor 40 Jahren war das noch kein besonderes Drama, denn über eine Lehre und den zweiten Bildungsweg konnte jeder aufsteigen, der das Zeug dazu hatte.
Aber wer heute einmal auf der Hauptschule landet, der kommt auch in den mittlerweile 10 Schuljahren nur sehr schwer auf ein auch nur halbwegs akzeptables Niveau, welches kaum ausreicht um auch nur eine Lehrstelle als Maurer zu ergattern.

Für die Kinder heute ist das aber eine Katastrophe.
Wie gesagt, wer einmal auf der Hauptschule gelandet ist, für den ist der Zug praktisch abgefahren.
Selbst hochintelligente Kinder gehen in dieser Schulform einfach unter, da die (wahrscheinlich auch nur völlig frustrierten) Gangs aus der "Unterschicht" dort den Unterricht sabotieren wo sie nur können.
Selbst bei uns in der Provinz gibt es Hauptschulklassen, in denen nur der Lehrer deutsch spricht.

Und auch den Kindern, denen es durch Nachhilfe und Leistungsdruck ermöglicht wurde auf das Gymnasium zu kommen, geht es dort auch nicht unbedingt besser.
Ich kenne da genug Beispiele aus meinem eigenen sozialen Umfeld.
Die Kiddies haben einfach nicht das Zeug für das Gymnasium, Studium und eine "klassische" akademische Laufbahn.
Nicht das die jetzt dumm wären, im Gegenteil die meisten sind handwerklich begabt, kreativ oder für soziale Berufe prädestiniert.
Aber weil deren Eltern sich nun einmal den Kopf gesetzt haben, dass ausgerechnet IHR Nachwuchs zur künftigen Elite gehören muss, werden diese per Nachilfe in bis zu 4 verschiedenen Fächern förmlich zum Abitur gepeitscht.
Koste es was es wolle, und notfalls wird dann auch schon mal aus dem Medikamentenschrank nachgeholfen.

Und hinterher wundern sich dann die Eltern warum der Nachwuchs an den Unis mindestens 3 mal das Studienfach wechselt, um dann jenseits der 30 endlich mal einen Abschluss zu machen.
Falls sie nicht gleich hinwerfen und dann doch lieber eine Lehre beginnen.

Ausserdem hat man in Deutschland mit den Studiengebühren, die übrigens keineswegs zur Verbesserung der Lernsituation verwendet werden sonder mehr oder weniger sinnvoll zweckentfremdet werden, ein Instrument geschaffen um dem Nachwuchs weniger begüterter Eltern den Besuch der von ALLEN Bürgen bezahlten Hochschulen ganz gezielt zu erschweren.
Ich muss für meine 2 Töchter, zusätzlich zu deren Unterhalt, demnächst 4000 Euro Studiengebühren pro Jahr "abdrücken".
Nur damit die an einer vom Steuerzahler (also auch von mir) finanzierten Hochschule studieren dürfen.
Ich bin mal gespannt wann man in DE neben Gebühren für Kindergärten und Unis wieder ein "Schulgeld" für den Besuch der weiterführenden Schulen einführen wird.
Hat es in den angeblich "guten alten Zeiten" bekanntlich schon mal gegeben, und würde ganz gut ins Konzept unserer derzeitigen Regierung der "Leistungsträger" passen.

Mittelfristig werden wir uns so in Deutschland eine frustrierte und deshalb unproduktive Unterschicht heranzüchten, die von einer äusserst mittelmäßigen "Oberschicht" geführt werden soll, die ihrer Position weniger dem eigene Talent als dem Geld und Einfluss ihrer Erzeuger zu verdanken hat.
Im Prinzip ist das nur ein weiterer Baustein in Bezug auf die gnadenlose "Amerikanisierung" der deutschen Gesellschaft.
Wer Geld hat, der hat auch Zugang zu Bildung, wer arm ist der bleibt aussen vor.
Auch eine Art einen gesellschaftlichem "Adel" zu etablieren und an der Macht zu halten.

Na ja, das dänische Schulsystem, ohne richtige Motivation zur übermäßigen Leistungsbereitschaft, kann mich zwar auch nicht so recht überzeugen, aber diese gnadenlose Einordnung in vorgefertigte und praktisch endgültig festgelegte Laufbahnen wie in Deutschland gibt es dort wenigstens nicht.

Sorry, bestimmt eine schwere Lektüre für einen Sonntag, aber das Thema halte ich für extrem brisant und allemal sinnvoller als "Hunde am Strand", "Umgehung der Registrierungsabgabe" und "Preissteigerung bei Ferienhäusern".

Gruß

Reimund


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.10.2009, 18:54 
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reimund1012 hat geschrieben:
Im Prinzip ist das nur ein weiterer Baustein in Bezug auf die gnadenlose "Amerikanisierung" der deutschen Gesellschaft.
Wer Geld hat, der hat auch Zugang zu Bildung, wer arm ist der bleibt aussen vor.


Ich glaube da ist etwas dran. Das ganze Pisa-Zeugs ist ja auch ein Versuch, amerikanische Standards hier einzuführen (aus der Irrglaube sie wären irgendwie besser).

Wenn die Dänen dagegen widerstandsfähiger sind, liegt es vielleicht nur am Jante - so aufgeblasene Emporkömmlinge von der OECD sollen ja nicht glauben sie wären etwas besseres.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.10.2009, 23:18 
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Beiträge: 163
Wohnort: nu Kbh , eigentl. Bautzen
habe gerad versucht den Beitrag zu finden, und bin dabei auf folgenden gestossen: andere länder, andere Schulen, Kopenhagen
Ein 15 minütiger Beitrag übers Ørestad gymnasium http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/858774?inPopup=true


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 Betreff des Beitrags: Schulstreß in Deutschland
BeitragVerfasst: 14.10.2009, 15:59 
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Beiträge: 1715
Wohnort: Osnabrücker Land, Berlin
Sehr gute Frage, Lars!
Obwohl ich sozusagen dreifach betroffen bin, fällt es mir schwer eine eindeutige Antwort zu finden. Betroffen bin ich als Vater zweier Schulkinder (13 und 17), weil meine Frau Lehrerin ist und weil ich selbst mal Lehrer war.
Ich habe allerdings seinerzeit wegen völliger Perspektivlosigkeit dieses Berufs in Deutschland seinerzeit die Lehrerlaufbahn verlassen, bin in die Wirtschaft gegangen (IT) und nunmehr seit 15 Jahren selbstständig.

Zurück zu Deiner Frage:
Ích fürchte, weil viele Deutsche das Auslesesystem richtig finden, getreu dem - in meinen Augen unsagbar blöden Spruch - Leistung muß sich wieder lohnen.
Weil in Deutschland das "äußere" Image eine unsagbar grosse Rolle spielt: Mein Kind geht auf das Gymnasium - der Satz hat so ungefähr den Stellenwert wie "Wir haben einen Mercedes".
Weil die Vorurteile gegen Lehrer nirgends so blühen, wie hierzulande; der Kanzler, der Lehrer pauschal als faule Säcke verunglimpft hat, ist nicht lange her (er hieß Gerhard Schröder und sackt heute bei Gazprom ein).
Weil in Deutschland das Obrigkeitsdenken noch immer verinnerlicht ist, Ihr da unten - wir hier oben - mit denen sollen unsere Kinder doch nicht in eine Schule gehen!
Bis heute meinen sehr, sehr viele, daß die Einheitsschule eine "sozialistische Gleichmacherei" ist, in den meisten Bundesländern wird daher schon nach dem vierten Schuljahr in Haupt- Realschule bzw. Gymnasium gesiebt; die durchgehende Schule bis zur 10 Klasse gabs übrigens nur in der DDR.
Sind das Antworten genug ?

Ich frag mich allerdings immer wieder (wenn ich neue Horrorgeschichten aus der Schule höre, ob von meinen Kids oder von meiner Frau), warum lassen sich die Leute das alles gefallen?


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