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BeitragVerfasst: 29.05.2010, 07:28 
Hallo @ Lars,

nur eine kleine Ergänzung.

Inflation enteht nicht nur durch Hochkonjunktur, sondern auch immer dann wenn der oder die Staat(en) mehr Geld in den Umlauf bringen als die Wirtschaftsleistung es zulässt, nur um ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Das war in den zwanziger Jahren in Deutschland so, und denselben Fehler machen jetzt sowohl die Amerikaner als auch die Europäer erneut.

Es ist einfach zuviel Geld im Umlauf, und aus diesem Grunde werden sich alle Staatschefs und Finanzminister schwer davor hüten die internationalen Zockerbanden an die kurze Leine zu nehmen.

Sobald man denen nämlich ihr Spielgeld wegnimmt, stellt sich schlagartig heraus wie gering doch die reale Wirtschaftsleistung ohne die "Luftblasenparkplätze" für überzähliges Geld ohne reale Werte dahinter wirklich ist.

So ist das Staatsdefizit der Briten noch höher als das der Briten, und diese weden sich daher mit Klauen und Zähnen dagegen wehren das mal endlich mittels staatlicher Kontrollen ein finanzpolitischer Kassensturz gemacht wird.

Wie gesagt, wir Deutschen haben da in letzten Jahrhundert schon unsere leidvollen Erfahrungen machen müssen, und sind deshalb ganz extrem vorsichtig und auf Geldwertstabilität "eingenordet".

Bekanntermaßen gibt es ja neben der individuellen Intelligenz auch eine sogenannte "Schwarmintelligenz", d.h. zwischen der Einzelperson und der Volksgemeinschaft gibt es ein mehr oder weniger latentes, gegenseitiges Feedback.
Und da wir Deutschen aufgrund schlechter Erfahrungen unseren Staat wesentlich mißtrauischer betrachten als z.B. Ihr Dänen, schaukeln sich da die negativen Emotionen halt schneller auf.

Ich kann mich noch erinnern, dass wir beide mal eine Grundsatzdiskussion über die "typisch deutsche Marotte" hatten , im Gegensatz zu allen anderen Ländern auf der Welt Immobilien in erster Linie als Kapitalanlage und nicht als Nutzgegenstände zu betrachten.

Deine Kritik war damals, dass dadurch der Deutsche in seiner Mobilität unnötig eingeschränkt ist, und es sinnvoller wäre die alte Immobilie als Sicherheit für eine neue Immobilie zu verkaufen und sich so mit Unterstützung durch stetig steigende Immobilienpreise langsam "wohntechnisch hochzuarbeiten."
Eine Immobilie schnellstmöglich vollständig zu bezahlen, wie in Deutschland üblich, wäre im dänischen System eigentlich nicht vorgesehen.
Wie gesagt, wer wie wir Deutschen schon öfters erlebt hat wie schnell aus Geld plötzlich wertloses bedrucktes Papier werden kann, der "tickt" halt anders und investiert halt lieber in Sachwerte wie das eigene Haus, als ständig mit Hoffnung auf einen stetig wachsende Wirtschaft mehr oder weniger von der Hand in den Mund zu leben.

Tja, das Problem ist halt nur das selbst Ihr Dänen mittlerweile erkennen müsst, das es nun einmal keine Automatik für ständig steigende Einkommen und Immobilienpreise gibt.
Hier in Deutschland sinken die Reallöhne entgegen dem EU-Trend schon seit 20 Jahren kontinuierlich, und je nach der Wohngegend sinken auch die Immobilienpreise entsprechend mit.
Solange sich das die Waage hält und die Preise relativ stabil sind, kann man als Durchschnittsdeutscher mit einem beruhigenden Sparguthaben damit halbwegs zurechtkommen.

Jetzt ist aber so das zur "Sanierung" Griechenlands (und demnächst auch anderer EU-Staaten) Unmengen an Geldern (nicht nur) den deutschen Steuerzahlern staatlicherseits abgepresst werden, bzw. dafür immense Staatsschulden gemacht werden, was mit Sicherheit die Kaufkraft und damit den Binnenmarkt nachhaltig schädigen wird.

Kurz gesagt, der "deutsche Michel" hat nicht zu Unrecht Angst das er gleich doppelt "bluten" muss.
Einmal durch die zu erwartende galoppierene Inflation sobald die Wirtschaft wieder in den"alten Tritt" zurückfindet, und dadurch unsere "Notgroschen" wertlos werden.
Und zum anderen weil die Abwärtsspirale bei der Lohnentwicklung in Deutschland gleichzeitig nach dem Willen der einflussreichen Wirtschaftslobbyisten noch lange nicht gestoppt werden soll.
Für die Löhne, die hier in Deutschland zum Teil für vollwertige Arbeit bezahlt werden, würde in DK noch nicht einmal ein in den Ferien jobbender Schüler morgens aufstehen.

Mit anderen Worten:
Der "deutsche Michel" wird gezwungen seine "Essensmarken" an die Griechen weitergeben die diese sinnlos verprasst haben, nur damit diese nicht verhungern.
Und damit der deutsche Michel nicht ebenfalls Kohldampf schieben muss, gibt man ihm zwar Essensmarken für kleinere Portionen, aber die Rechnung dafür wird dessen Kindern und Enkelkindern präsentiert.
Wovon DIE mal leben sollen, interssiert doch die Politiker von heute nicht die Bohne.

Du siehst, das ist nicht "typisch deutscher Pessimismus" sondern die leidvolle Erfahrungen aus weit über hundert Jahren.

Gruß

Reimund


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BeitragVerfasst: 29.05.2010, 07:50 
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@reimund1012

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum immer diese Pessimismus?
BeitragVerfasst: 29.05.2010, 08:50 
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lillebaek hat geschrieben:
Dänen haben übrigens auch keine Angst um ihr erspartes weil die meisten kaum was haben :-)

Kann man bitte jemand aufklären warum "die Deutschen" immer so schwarz sehen und Angst vor der Zukunft haben?


Ich habe auch keine Angst um mein Erspartes... äh, was ist das eigentlich :roll: ?

Zukunft ??? Bei mir kommt in absehbarer Zukunft nix mehr rein (Penge) und dann ???

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BeitragVerfasst: 29.05.2010, 09:36 
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reimund1012 hat geschrieben:
Jetzt ist aber so das zur "Sanierung" Griechenlands (und demnächst auch anderer EU-Staaten) Unmengen an Geldern (nicht nur) den deutschen Steuerzahlern staatlicherseits abgepresst werden, bzw. dafür immense Staatsschulden gemacht werden, was mit Sicherheit die Kaufkraft und damit den Binnenmarkt nachhaltig schädigen wird.


Hier sehe ich aber auch ein Unterschied bzw. die deutsche Pessimismus läuft hier im Kreis. Es werden doch überhaupt keine Steuergelder an Griechenland gegeben. Sondern es geht um Bürgschaften, die vermutlich niemals ausgezahlt werden müssen, die aber verzinst werden. D.h. der deutsche Staat wird vermutlich letztendlich an der Sache Geld verdienen.

Genau so war es mit der Bankenpaket. In DK soll durch die Einnahmen vom Bankenpaket ein Bildungsreform finanziert werden.

Wenn man aber immer nur die möglichst größte Katastrophe vor Augen hat, dann muss man natürlich Bürgschaft als Kosten sehen und nicht als Investition, der vielleicht eine Rendite abwerfen kann.

Ein sehr gutes Beispiel ist die Fehmarnsund Brücke. Schau mal, was Wikipedia über die Finanzierung schreibt. Auf Deutsch:

Zitat:
Von den veranschlagten 5,6 Milliarden Euro, die das Projekt kosten wird, werden ca. 4,8 Milliarden von Dänemark getragen werden.


und auf Dänisch:

Zitat:
Danskerne må yde statsgaranti for størstedelen af de 42 milliarder kroner man regner med at projektet vil koste. Broen mv. betales af brugerne, og betalingsanlægget bygges på den danske side. Når hele lånet til byggeriet er betalt, får Danmark (staten) ret til at beholde de fremtidige broindtægter.


Beides sind natürlich auf eine Art richtig. Bezahlt wird die Brücke durch 4,8 Milliarden Euro Krediten und 800 Millionen deutsche Steuergelder. Der Deal sagt nämlich: Die Anlagen auf der deutsche Seite werden direkt vom deutschen Staat bezahlt. Die Brücke und die Anlagen auf Land auf der dänische Seite (einschließlich der Eisenbahn bis Roskilde) werden durch Krediten finanziert. DK muss also gar nichts bezahlen, sondern nur die Bürgschaft für diese Krediten stellen.

Nun kann man sich natürlich darüber streiten, was schwerer wiegt - 800 Millionen sofort zu zahlen oder das Risiko bei einer Bürgschaft von 4,8 Milliarden auf sich zu nehmen. Fakt ist aber, dass DK die 4,8 Milliarden nur dann bezahlen muss, falls niemanden jemals die Brücke benutzt, keine Gebühren reinkommt und die Brückengesellschaft deshalb Pleite macht.

Sollte die Brücke dagegen ein Erfolg werden (wie die beiden früheren Brücken auch), dann wird die Bürgschaft nichts kosten. Dann hat DK nicht nur ein gratis Eisenbahn bekommen, sondern auch ein Recht auf die Einnahmen von der Brücke in aller Ewigkeit - und um diese Einnahmen zu sichern, wird die Mautanlage auf Lolland gebaut (dort werden die Arbeitsplätze dann auch sein) und DK kann allein die Gebühren festlegen. In meine Augen ist das eine Maschine zum Gelddrucken.

Allein wegen des Pessimismus hat sich DE über den Tisch ziehen lassen. Man hatte so viel Angst vor dem Risiko einer Bürgschaft, dass man lieber 800 Millionen sofort bezahlt hat und auf alle Einnahmen der Zukunft verzichtet hat. Das ist doch nicht normal?

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BeitragVerfasst: 29.05.2010, 16:17 
Meißtens kommt man auch nur weiter ,wenn man sich lieber gegenseitig hilft als auf den Staat angewiesen zu seien.Dadurch tendiert ja auch die Schwarzarbeit die weiter in den Südlichen Ländern mehr verbreitet ist.Ich kann aber nicht beurteilen ob das zusammenleben besser funktioniert in dk.und die dänen viel mehr zufriedener sind als in d.Ich glaube einige dinge die sind besser in dk aber andere ding eben nicht. Je weiter nördlich zb. leben die Leute teilweise ja auch isolierter und auch unzufriedener.Und es gibt auch einige dänen die grau sehen,besonders in den Wintermonaten.Es ist auch nicht alles rosig in dk. wenn zb. Krankenhäuser schließen müssen,genauso Gewaltverbrechen sind zukunftslosigkeit auf Grund der Wirtschaftskrise villeicht noch Ausländerfeindlichkeit gegenüber deutsche usw.
Man tendiert eher dazu das man lieber erst die guten Seiten eines Staates sieht,aber nicht die schlechten Seiten,denn dazu fehlt einem der Blick über den Tellerrand.Das war schon mit den geteilten deutschland so. :wink:


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BeitragVerfasst: 29.05.2010, 18:55 
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Lars J. Helbo hat geschrieben:
Daher kommt doch diese dauernde Geschimpfe auf die "Obrigkeit" - denn "die da oben müssten uns doch schützen, aber was ist, wenn die das nicht tun?"

Diese Einstellung wurde in DK schon im 19. Jahrhundert abgeschafft. Damals haben sich die Menschen in den Dörfern DK's zusammengetan und haben Molkereien, Schlachthäuser, Versammlungshäuser, Freie Schulen, Brugsforeninger etc. gebaut. Dadurch haben sie gemerkt, dass sie ihr Schicksal in eigener Hand nehmen können. Sie waren nicht von irgendwelche Politiker abhängig. Das steckt ganz tief in uns drin. Wir wissen doch, wenn es irgendwann dicke kommt, dann können wir uns mit den Nachbarn zusammentun und etwas neues aufbauen.


Das hier ist konzentrierter Højskolequatsch, eine Kombination aus Halbwissen und Selbstbeweihräucherung, den sich ein Teil der dänischen Gesellschaft immer wieder gegenseitig erzählt. Zu den Tatsachen: Genossenschaften wurden in Deutschland zeitgleich mit England Anfang des 19. Jahrhunderts erfunden und haben daher eine viel ältere Tradition als in Dänemark. Im Gegenteil zu Dänemark haben sich die Leitungen diese Einrichtungen nie verselbständigt, sondern die Abhängigkeit vom Willen der Mitglieder stets gewahrt. Dazu gehört auch, dass Genossenschaften immer vergleichsweise klein geblieben sind.

Gab es denn im Dänemark der letzten Jahrzehnten noch Landwirte, die den Eindruck hatten, auf Entscheidungen der heutigen Arla Einfluss nehmen zu können, "das Schicksal in die eigene Hand nehmen zu können"?

Genossenschaften hatten in Deutschland einige Jahrzehnte lang durchaus wirtschaftliche und auch eine gewisse kulturelle Bedeutung. Das hat aber an den politischen Verhältnissen nichts geändert, denn diese folgten anderen Hauptlinien. Allerdings sind in Genossenschaften in Deutschland niemals steuerlich und juristisch begünstigt worden, und mussten sich daher voller Konkurrenz professionell geführter Unternehmen stellen. Das war schwer, dazu kam Bequemlichkeit, und deshalb spielen Genossenschaften heute ein sehr geringe Rolle in der Bundesrepublik.

Wenn Genossenschaften so einen tollen Einfluss in Dänemark gehabt haben, dann hätte man von 1820-1970 mindestens die gleichen Segnungen in Deutschland sehen müssen.

Ich glaube überhaupt nicht, dass der dänische Erklärungsversuch etwas an sich hat. Ich meine eher es spielt eine Rolle, dass Dänemark ein kleineres Land ist. Dänemark hat auch keine Verfassung, die die Rechtsordnung versteift, zu wahnwitziger Gesetzesdetaillierung treibt und so jede Art von grossen Reformen behindert.

Mit dem Verhältnis zu "denen da oben" haben Genossenschaften sehr wenig zu tun. Das Obrigkeitsdenken ist auch in (West-)Deutschland schon einige Jahrzehnte verschwunden. Neu entwickelt hat sich eine politische Verbrauchermentalität. Die Denke von "denen da oben" - nicht im Sinne von Obrigkeitsdenken sondern erlebtem Abstand - wird wiedergeboren: Die da oben kriegen von uns Geld, dafür sollen sie uns servicieren. Und zwar bitte in unserem Sinne, aber ohne von uns Beiträge zu verlangen. Das klappt natürlich nicht.

Wenn der Bürger den Eindruck hat, dass er politisch nichts zum Besseren wenden kann, nicht einmal wenn er sich anstrengte, dann wendet er sich ab. Er konzentriert sich auf das, was ihn selber betrifft. Wird er getroffen, ist das wie mit schlechtem Wetter für Bauern. Da kommt das Jammern.


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BeitragVerfasst: 29.05.2010, 22:09 
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MichaelD hat geschrieben:
Wenn der Bürger den Eindruck hat, dass er politisch nichts zum Besseren wenden kann, nicht einmal wenn er sich anstrengte, dann wendet er sich ab.


Ich will mal versuchen positiv zu Antworten - daher zitiere ich nur das hier. Das stimmt nämlich. :wink:

Es geht allerdings nicht nur um Abwenden sondern auch um Resignation und Zukunftsangst. Und das ist ja genau das Thema. Ich denke diese unsinnige Pessimismus ist in DE so verbreitet, weil man das Gefühl hat von andere abhängig und deren Willen ausgeliefert zu sein.

Es macht aber kein Sinn - so wie Du - dies allein durch die Größe des Landes erklären zu wollen. Dann müsste es ja in den USA noch viel schlimmer aussehen. So ist es aber nicht.

Fehlende Reformmöglichkeiten wegen des Verfassungsgericht kann auch keine Erklärung sein. Wenn es so leicht wäre in DK Reformen durchzusetzen, dann wären wir doch längst den Efterløn los geworden. Übrigens ist die Verfassung für viele Deutsche doch wohl eher eine Sicherheitsfaktor.

Das man in DE im 19. Jahrhundert auch Genossenschaften hatte, ist eben nicht der Punkt. Und es geht auch nicht darum, ob die (ganz wenige) Bauern in DK mehr oder weniger Einfluss auf Arla hat. Es geht nämlich um etwas, was viel tiefer liegt - "in der Seele des Volkes".

Und da muss ich leider wieder auf die Højskoler zurück kommen. Weil genau das ist der Unterschied. Mag ja sein, dass es in beide Länder gemeinschaftlich organisierte Molkereien und Schlachthöfe gab. In DK ging das aber weiter mit Højskoler, Friskoler und Valgmenigheder. Es gab also ein Bildungs- und Kulturüberbau auf die Genossenschaftsbewegung, und aus dieser Überbau ist die Demokratie erwachsen. Und die Demokratie ist kontinuierlich und ununterbrochen seit über 150 gewachsen. Das könnte schon eine bessere Identifikation und weniger Verfremdung erklären.

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BeitragVerfasst: 31.05.2010, 14:23 
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Ob Lebensfreude und Optimismus aus langjähriger Demokratie erwachsen, da bin ich mir nicht so sicher.

Die reellen Unterschiede sind auch nicht so gross: Dänemark ging erst 1900 zum Parlamentarismus über, davor waren die politischen Systeme gar nicht so verschieden. 1918 waren die politischen Systeme wieder sehr ähnlich. 1933-1949 hatte Deutschland keine Demokratie, danach nur die gut 20% Deutschen keine. Seit 20 Jahren herrscht wieder überall Demokratie. Sind die Deutschen nun auf dem Weg zum Glück?

Aber ich argumentiere nun wie du: Man pickt sich eine Komponente und zeigt, dass sie es allein nicht sein kann. Genauso wie du das Thema Landesgrösse behandelst.

Ob Amerikaner so optimistisch sind, da bin ich mir auch nicht so sicher. Fest steht allerdings, dass sie sich hoch und immer höher verschuldet haben. Das ist wohl ein Ausdruck von Optimismus. ;-)

Højskoler, valgmenigheder og friskoler: Kann schon sein, dass solche Einrichtungen Lebensfreude und Optimismus erzeugen. Allerdings gibt es in Deutschland freie Kirchen, deren Rahmen noch weiter ist, als der der valgmenigheder.

Højskoler sind eine schöne Sache, aber auch in Deutschland gibt es blühende Volkshochschulen, Universitäten des dritten Lebensabschnitts, kirchliche, weltanschauliche, politische, sportliche Kreise/Vereine/Seminare/Ferien usw usf.

Sicher, das Privatschulwesen ist in Dänemark freier, da ist man unbekümmerter. (Es sind allerdings nicht alle Bürger, die das so toll finden, wie man nun anlässlich der Debatte über die übliche Wahl von Eliteschulen für Politikerkinder gesehen hat.) Dafür gibt es in Deutschland ein Meer an freien Trägern im Bereich der Kinderbetreuung, der Seniorenbetreuung und überhaupt im Bereich der sozialen Arbeit.

Mich überzeugt das alles nicht.

Ich glaube weiterhin, die Ursachen sind, dass das Land relativ gross ist, und dass man nicht das Gefühl hat, dass es politisch irgendwie vorangeht, (ohne immer zu verstehen, dass es u.a. an der Verfassung liegt). Und dann natürlich das Argument, dass ich schon viele male angeführt habe: Es ist nicht das absolute Niveau der Wohlfahrt, sondern die Entwicklungsrichtung, die das Lebensgefühl beeinflusst.

Naja, und die Vergreisung der Gesellschaft ist auch nicht das Glück selbst.


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BeitragVerfasst: 02.06.2010, 13:03 
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Zum Verbrauchen von Bürgschaftsentgelten: Bürgschaftsentgelte spiegeln, jedenfalls auf dem freien Markt, eine Versicherungsprämie wieder. Dafür nimmt man ein Risiko auf sich. Für das Risiko sollte der Staat eigentlich eine Rücklage bilden, die dem Erwartungswert des Risikos (Schaden x Wahrscheinlichkeit) entspricht. Tut er das nicht, häuft er ungedeckte Risiken für künftige Generationen an.

Geht man davon aus, das die Bildung solcher Rücklagen nur dazu führen würde, dass sich der Staat an anderer Stelle mehr verschuldete, wäre das natürlich eine Luftbuchung. Richtig wäre allein, wenn der Staat seine sonstigen Ausgaben entsprechende dem Erwartungswert des Risikos reduzierte. Das tut Dänemark nicht, und deshalb wird hier auf Kosten der Zukunft gewirtschaftet.

Eine ganz andere Frage ist die der Verzinsung von Mittelverwendung aus Schulden. Wählt der Staat, Schulden aufzunehmen, genauso wie Dänemark es tut, dann sollten die Mittel auch investiv verwendet werden. Nur so können die Zinsen und Tilgungen finanziert werden. Auf dem Papier tut der dänische Staat dies, in dem er für Bildung ausgibt. Vielleicht ist die "Verzinsung" von Bildungsausgaben ("-investitionen") hoch genug. Übrig bleibt aber die Frage, ob diese Mehrausgabe real ist oder nur politisches Marketing. Steigen die Bildungsausgaben wirklich im Verhältnis zu dem, was man ansonsten getan hätte? Oder werden nur Budgetlöcher im Staatsverbrauch gestopft?

Was die Fehmarnbrücke angeht: Auch wenn ich privat ein Anhänger der Brücke bin, sollte man doch auch darauf schauen, was sie uns kostet. Zwar war die Grosserbeltbrücke ein wirtschaftlicher Erfolg, aber das gilt nicht für die Öresundsbrücke. Die Nutzerzahlen sind zu niedrig, und die erwarteten Finanzierungsbeiträge aus dem Verkauf von Grundstücken aus einem Naturschutzgebiet bzw. Naherholungsgebiet Kopenhagens waren ein Fiasko. Um das ganze am Leben zu halten, haben Staat und Gemeinden in grossem Stil selber die Grundstücke gekauft. Neue öffentliche Instututionen wurden gegründet, andere ausgebaut, neue Betriebskosten belasten das Land. Gleichzeitig sind in der Finanzierungsgesellschaft überbewertete unverkaufte Grundstücke. Das kann so noch Jahrzehnte weitergehen. All dies führt dazu, dass die wahre (Un-)Rentabilität der Öresundsbrücke niemals ermittelt werden kann.

War die Verbindung zwischen den grossen Städten Malmö und Kopenhagen nicht naheliegend? War Rentabilität nicht relativ wahrscheinlich?

Was soll am Fehmarnsund passieren, wenn die Rechnung nicht aufgeht? Hier ist die Finanzierung viel privater als bei den bisherigen Projekten. Dies bringt die Dinge leichter ans Licht, was den Staat dazu drängen könnte, in noch grösserem Stil Dreiecksgeschäfte mit Grundstücken zu betreiben, um den Garantiefall zu vermeiden. Wird dann auf Lolland Land über eine private Zwischenstation mit grossen leeren Händen an Danmarks Radio verkauft, damit die dort neue Paläste errichten?

Von einer Maschine zum Gelddrucken kann keine Rede sein. Ich finde die Finanzierung des deutschen Anteils ehrlicher und weniger mit der Gefahr teurer Vertuschungsmanöver belastet.


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BeitragVerfasst: 02.06.2010, 13:28 
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MichaelD hat geschrieben:
Eine ganz andere Frage ist die der Verzinsung von Mittelverwendung aus Schulden. Wählt der Staat, Schulden aufzunehmen, genauso wie Dänemark es tut, dann sollten die Mittel auch investiv verwendet werden. Nur so können die Zinsen und Tilgungen finanziert werden. Auf dem Papier tut der dänische Staat dies, in dem er für Bildung ausgibt. Vielleicht ist die "Verzinsung" von Bildungsausgaben ("-investitionen") hoch genug. Übrig bleibt aber die Frage, ob diese Mehrausgabe real ist oder nur politisches Marketing.


Nein, so habe ich das nicht gemeint. Es geht nicht darum, dass der Staat Krediten aufnimmt, um Bildung zu finanzieren. Es geht darum, dass der Gewinn aus dem Bankenpaket in die Bildung gesteckt wird.

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BeitragVerfasst: 02.06.2010, 13:48 
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Moin, moin,

vielleicht hängt das kritische Sehen der Obrigkeit in D ja auch mit der unsäglichen Vergangenheit zusammen. In der Schule und im Leben haben wir doch immer wieder gelernt, daß D Schuld an allem um jedem trägt. Alles verursacht durch das längst nicht 1000-jährige Reich. Daran wird D immer noch gemessen und messen sich hier Viele selbst.

Als hätten andere Länder keine unrühmlich Vergangenheit oder Gegenwart, von GB über NL und USA und natürlich auch DK (Aufzählung bei Weitem nicht vollständig). Aber kümmert es die Völker? Eher wohl weniger. Wir in D haben kaum ein Nationalbewußtsein, verstärkt auch durch die Jahrzehnte von 45-90 mit zwei ziemlich unterschiedlichen Republiken. Geeint und gut gelaunt sind wir Deutschen doch (fast) nur in Fußballhochzeiten und natürlich wenn wir alle Papst oder Lena sind. Aber das sind alles nur kurze Episoden die nicht zu grundsätzlich geändertem Verhalten führen.

Dank unserer Schuld darf Deutschland auch eine Menge Gelder für EU und sonstige ausgeben, was unseren Haushalt belastet, damit fehlen Gelder hier und dort für Bildung und Straßen... und wir jammern (immer noch auf hohem Niveau).

Es ist halt wie es ist und wir werden es kaum ändern.

Trotz alledem optimistische Grüße

Wolfgang


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BeitragVerfasst: 03.06.2010, 11:57 
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Lars J. Helbo hat geschrieben:
Nein, so habe ich das nicht gemeint. Es geht nicht darum, dass der Staat Krediten aufnimmt, um Bildung zu finanzieren. Es geht darum, dass der Gewinn aus dem Bankenpaket in die Bildung gesteckt wird.


Das ist was ich zu erklären versuchte. Reduziert dre Staat nicht seine Ausgaben entsprechend dem Erwartungswert des Risikos, handelt er nicht anders, als ob er einen Kredit in enstprechender Höhe aufnehmen würde.


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BeitragVerfasst: 03.06.2010, 12:09 
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Lars J. Helbo hat geschrieben:
MichaelD hat geschrieben:
Wenn man in Geldform spart, hat man den vollen Schaden aus Inflation.


Das erklärt aber die Angst nicht, den die Angst vor Inflation ist ja an sich unsinnig. Inflation gibt es bei Hochkonjunktur, wenn die Produktion nicht mit der Nachfrage mitkommt und es daher eine Verknappung des Angebots gibt. Davon sind wir ja wohl noch etwas entfernt.


Es liegt nicht im Begriff der Angst, dass sich ein Schaden schon manifestiert hat. Und wenn inflationärer Überhang entsteht, dann folgt die Inflation irgendwann - stimmt, besonders bei Hochkonjunktur. Es ist aber nicht irrational, inflationären Überhang mit Besorgnis zu sehen.


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BeitragVerfasst: 03.06.2010, 12:44 
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@wofu

Was Lars meint, ist, dass wir Deutsche NICHT so kritisch auf unsere "Obrigkeit" sehen, sondern ihr im Grunde vertrauen oder vertrauen wollen (trotz der Erfahrung aus dem Dritten Reich). Wir würden daher die Dinge fahren lassen, statt uns zu engagieren und Optimismus aus diesem Engagement zu schöpfen.

Ich meine, dass wir Deutsche heute nicht mehr glauben etwas bewegen zu können. Deshalb versuchen wir es gar nicht erst, und deshalb sind die da oben die Beute der Lobbies und leider nicht Vertreter des breiten Volkes. Wir fühlen das - und sehen daher schwarz.

Ich glaube nicht, dass die deutsche Regierung aus sehr alten Schuldgefühlen heraus in der Griechenlandsache so géhandelt hat, wie sie es tat. Ich glaube sie tat es, weil sie aus einer Allianz vieler Akteure unter heftigsten Druck geraten ist - einer Allianz aus der Deutschen Bank und anderer deutscher institutioneller Grossinvestoren, der französchen Regierung (die die Interessen der heftig betroffenen französischen Banken vertrat) und verschiedener südeuropäischer Länder, die fürchteten als nächste an der Reihe zu sein. Die Medien haben das ganze Spiel nicht durchschaut und alles als Frage der "Rettung des Euro" hochgepeitscht ( - kompletter Unsinn!). Dazu kommt die übliche Kurzsichtigkeit der Politik, der die Wirkung auf die Wahlen der nächsten zwei-drei Jahre wichtiger ist als das langfristige Wohl.

Denkbar ist, dass seriöse Betrachtungen das Ergebnis erbrachten, dass das Rettungspaket besser sei für Deutschland als eine Umschuldung des griechischen Staates. Daran glaube ich allerdings überhaupt nicht, u.a. weil der Haus- und Hofvolkswirtschaftler der Regierung Hans-Werner Sinn zuletzt sehr scharf abweisend war.


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BeitragVerfasst: 03.06.2010, 13:12 
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MichaelD hat geschrieben:
Ich meine, dass wir Deutsche heute nicht mehr glauben etwas bewegen zu können. Deshalb versuchen wir es gar nicht erst, und deshalb sind die da oben die Beute der Lobbies und leider nicht Vertreter des breiten Volkes. Wir fühlen das - und sehen daher schwarz.


Aber ist das nicht im Grunde genommen die gleiche "Obriggläubigkeit"?

Es ist natürlich ein Unterschied, ob man sagt "die da oben machen alles richtig" oder "die da oben machen alles falsch". Dahinter steckt aber in jedem Fall die Grundeinstellung: "Die da oben entscheiden alles, und ich kann nichts machen".

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