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BeitragVerfasst: 28.03.2019, 13:12 
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hasi hat geschrieben:
was hat das Nutzverhalten von menschlichen Fleischverzehren mit der Wolfsdiskussion zu tun???

Ist doch ein klarer Fall: Am Ende bleibt nur das Gerippe übrig!!!

Und interessanterweise empören sich ausgerechneterweise die menschlichen Fleischverzehrer darüber, wenn ein Wolf nur das Gerippe übrig lässt. Erkennst Du Dich da auch wieder? Muss ja wohl so sein, da Du - statt Dich mit den konkreten Inhalten unserer Posts auseinanderzusetzen - nicht sachlich, sondern rein emotional direkt in den persönlichen Angriffsmodus überwechselst.

Welchen "Denkanstoß" willst Du denn eigentlich setzen, wenn Du inhaltlich zur Sache gar nichts beizutragen hast?

Der "Denkanstoß", den Du den Lesern hier lieferst, beschränkt sich damit ganz allein darauf, dass persönliche Angriffe ohne eigentlich Bezug zum Thema lediglich vom Mangel an eigenen Argumenten ablenken sollen, um sich letzten Endes einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema zu entziehen. Nicht mehr und nicht weniger.

Falls Du doch noch Argumente zum Thema bringen möchtest, setzen wir uns selbstverständlich gern damit auseinander.


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BeitragVerfasst: 28.03.2019, 14:57 
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Mein Eindruck hat sich bestätigt. Vielen Dank.

Du bist ein Voll.......


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BeitragVerfasst: 28.03.2019, 15:09 
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hasi hat geschrieben:
Mein Eindruck hat sich bestätigt. Vielen Dank.

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25örefan hat geschrieben:
Hendrik77 hat geschrieben:
Auf die hasserfüllten Kommentare im Netz kann ich gern verzichten.
Hendrik77


Ich auch.
Diese Kommentare gibt es leider auf beiden Seiten, sowohl auf Pro- als auch Kontraseite.
Facebook ist voll davon und man wundert sich, welch ein „Menschenhass“ und welche Aggressionen auch auf Seiten derer zutage tritt, die sich eigentlich für Interesse anderer Kreaturen/ Tiere und Koexistenz einsetzen, angestaut hat und frei wird.


Da sind wir mit Hendrik77 und mit 25örefan ganz auf einer Linie.


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BeitragVerfasst: 28.03.2019, 16:46 
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hasi hat geschrieben:
Mein Eindruck hat sich bestätigt. Vielen Dank.

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Du kannst froh sein, dass der Forenbetreiber und die Moderatoren eine recht hohe Frustrationstoleranz haben. In meinem Forum wärst du jetzt ohne Vorwarnung draußen.

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Besserwisser leben den absurden Versuch durch
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BeitragVerfasst: 28.03.2019, 16:59 
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Hinnerk hat geschrieben:
Du kannst froh sein, dass der Forenbetreiber und die Moderatoren eine recht hohe Frustrationstoleranz haben. In meinem Forum wärst du jetzt ohne Vorwarnung draußen.


Generell sage ich an dieser Stelle, dass ab sofort jeder, der meint, andere beleidigen zu müssen, noch eine Verwarnung und wenn diese nicht reicht, eine Sperre erhält. Ich bin dieses sich gegenseitig Nierdermachen nämlich leid!!


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BeitragVerfasst: 29.03.2019, 21:55 
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Noch im Januar 2018 wurde vom Schäfer Jürgen Körner in Jüterbog südlich von Berlin berichtet, der seine 1200 Schafe vorbildlich schützt:
Zitat:
Um seine Herden vor dem Wolf zu schützen züchtet er seit rund elf Jahren Herdenschutzhunde. 23 Pyrenäenberghunde stehen bereit um die Schafe zu verteidigen.

http://www.der-landfotograf.de/herdenschutzhunde-•-schaeferei-juergen-koerner-•-jueterbog-brandenburg/

Auch dem NABU Brandenburg war/ ist das ein Porträt wert:
https://brandenburg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/herdenschutz/koerner.html

Doch schon im August 2018 hieß es in der „Märkischen Allgemeine“:
Zitat:
Der Schäfer Jürgen Körner kann es noch immer kaum fassen. Am Dienstag erhielt er einen Anruf, dass einige seiner Tiere in Frankenförde an der Straße stehen würden. Kurze Zeit später wusste er, warum. Wölfe hatten die Tiere in der Nacht von Montag zu Dienstag auf seiner Weide hinter dem Buckewitzer Weg angegriffen
Insgesamt wurden fünf Schafe und vier Ziegen von den Wölfen gerissen. Zudem sind fünf Schafe und sieben Ziegen schwer verletzt. Dies stellte ein Rissgutachter fest, der die Verletzungen der Tiere untersucht hatte.
Obwohl die Tiere von Herdenschutzhunde gut bewacht waren und ein Elektrozaun die Tiere vor Wolfsangriffe schützen soll, muss die Panik bei den Schafen und Ziegen wohl so groß gewesen sein, dass sie die Flucht ergriffen haben. Die Herde hatte sich verteilt, sodass die Hunde keine Chance hatte
Selbst die Herdenschutzhunde scheinen unter Schock zu stehen. Sie waren nach dem Angriff völlig apathisch. Trotzdem ist sich der Schäfer sicher, dass ohne die Hunde der Schaden noch größer gewesen wäre. „Als wir nach den Tieren gesucht haben, waren wir auch mit Nachtsichtgeräten unterwegs. Wir haben rings um Frankenförde jede Menge Rehe gesehen, die wären für Wölfe leichte Beute gewesen. Stattdessen greifen sie Nutztiere an“...
http://www.maz-online.de/Lokales/Teltow-Flaeming/Woelfe-auf-Beutezug-in-Frankenfoerde?fbclid=IwAR14FxrcOZtvhpkrh_lV2URJVgutzkFznkY1Qe587feGCCkeFbvYhHMi02g

Bei derartigervInvestition kann man nur hoffen, dass die Hunde im,Wiederholungsfall erfolgreicher sind:
Zitat:
Jedoch sind diese Schutzhunde im Unterhalt nicht gerade preiswert", beklagt Jürgen Körner aus Jüterbog. Etwa zehn Euro pro Schaf und Jahr müssen für den zusätzlichen Wachschutz berechnet werden. "Da kommt bei über 1000 Schafen ordentlich was zusammen", rechnet er vor.
https://www.moz.de/landkreise/maerkisch-oderland/strausberg/artikel8/dg/0/1/1059328/

Ob der Optimismus bezüglich Herdenschutzhunde gerechtfertigt ist, steht allerdings infrage:
Thomas Schoke, Hundetrainer und Autor des Standard-Nachschlagewerks „Herdenschutzhunde“.
Zitat:
... hat eine klare Meinung: „Gebiete in Südost- und Osteuropa, in denen Herdenschutzhunde eingesetzt werden, sind extrem dünn besiedelt. Ein Rudel kontrolliere dort ein Territorium von 15 Quadratkilometern und mehr. Die Einheimischen wissen das. Da geht niemand hin. Herdenschutzhunde könnten deshalb nicht in jedem Umfeld eingesetzt werden. „In den dicht besiedelten und touristisch stark genutzten Alpen stehen die notwendigen Räume nicht zur Verfügung“, sagt Schoke.

Während in traditionellen Herdenschutzgebieten der Abstand zwischen Gehöften oft 20 Kilometer betrage, bestehe in den Voralpen zwischen Almen und zwischen Höfen meist Sichtkontakt, von Städten und Dörfern ganz zu schweigen.

Thomas Schoke ergänzt noch: „Wo Herdenschutzhunde eingesetzt werden, gerät der Wolf unter Verdrängungsdruck und zieht eine Weide weiter. Das ist das klassische Floriansprinzip.“ Doch je mehr man den Wolf aus Weidegebieten vertreibe, desto näher komme er den Menschen, und das sei nicht wünschenswert.

Sorge bereitet ihm auch das Schicksal von Herdenschutzhunden: „Wenn die Projekte schief gelaufen sind, wird man sie am Ende davonjagen, sich selbst überlassen, in Tierheime abschieben oder einschläfern, denn geeignete Plätze bei privaten Hundehaltern sind jetzt schon Mangelware.

https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/bad-toelz-ort28297/im-gespraech-mit-thomas-schoke-schutzhunde-gegen-wolf-8355120.html


+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Uecker-Randow-Region :
Trotz elektrifiziertem 180 cm Zaun mit 70cm Untergrabeschutz geht der Rissgutachter nach Indizien davon aus, dass ein Wolf/ mehrere Wölfe nicht davon abgehalten werden konnte/ n, in unmittelbarer Nähe der Ortschaft Beute zu machen:

Zitat:
Der Angreifer hatte einen 1,80 Meter hohen Wildzaun überwunden, der zusätzlich darüber mit einer Strom führenden 6000-Volt-Leitung versehen ist. Im Erdreich ist der Zaun um die 70 Zentimeter eingelassen. Der Angreifer habe erst versucht, unter dem Zaun ins Gatter zu gelangen, was aber misslang. Davon würden Kratzspuren zeugen. Mit einem solchen Zaun liege man über den vorgeschriebenen Schicherheitsvorkehrungen gegen Wolfsangriffe....
Sieben tote Stück Damwild, ein vermisstes Tier und ein verletzter Hirsch mit einer Wunde am Hinterbein – das ist die Bilanz eines Wolfsangriffs in einem Damwildgatter im Gut Borken. Einige getötete Damtiere sind tragend gewesen.
...
Rissgutachter Torsten Dinse vermutet, dass es sich bei dem Angriff um einen Wolf handeln könnte. „Das sieht danach aus. Jetzt müssen wir aber erst einmal die Befunde abwarten und sehen, ob sich das bestätigt“, meint er. Seit einem Wolfsangriff in Pampow wisse man, dass diese auch hohe Zäune überspringen können. Die Indizien in diesem Fall seien besser als seinerzeit in Pampow.


https://www.nordkurier.de/ueckermuende/totes-damwild-auf-gut-borken-es-war-wohl-der-wolf-2734981603.html

https://www.nordkurier.de/ueckermuende/vorpommerns-wolfsfrust-entlaedt-sich-am-minister-2934999503.html

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Südtirol:
Keine Scheu...?
Hier beeindruckt 3 Wölfe sogar die Anwesenheit einer Hirtin nicht und sie vermag die Wölfe auch mit Schreien und Werfen eines Gegenstandes nicht davon abzuhalten, bei Tag ihre Ziegen zu reißen:
Zitat:
Eine Ziegenhirtin in Südtirol wird das Datum des 25. September 2018 wohl nicht so bald vergessen. Wie das Tagesblatt Dolomiten berichtete, war sie gerade dabei, ihre Ziegenherde auf die Weide zu treiben. Die Tiere übernachteten stets in einem abgesperrten Pferch. Doch weit kam die Frau mit ihren Tieren nicht.

Ein Rudel von drei Wölfen lag wohl bereits auf der Lauer. Nur wenige hundert Meter von dem Pferch entfernt rannten sie die Herde und rissen drei Ziegen. Die Hirtin schaffte es trotz Schreien und Werfen eines Salzeimers nicht, die Angreifer zu vertreiben. Sie musste zusehen, wie ihre Tiere gerissen wurden. Es war der erste bekannte Riss in Südtirol, der am hellichten Tag und im Beisein eines Menschen stattfand.


Keine Scheu...?
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) räumt unter „Neues aus dem Bundesamt für Naturschutz/ Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“ ein:
Zitat:
...muss berücksichtigt werden, dass es die sogenannte „natürliche Scheu“ von Wildtieren nicht gibt . Man müsse das Verhalten der einzelnen Individuen Prüfen und dann über den Umgang entscheiden.

https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/artenschutz/Dokumente/Wolfsverhalten.pdf
Allerdings heißt es dort (noch)
Zitat:
Bisherige Erfahrungen in Deutschland zeigen, dass Wölfe sich in verschiedenen Situationen meist durch Händeklatschen und lautes Rufen von Nutztierrissen abhalten ließen.

Aber vielleicht sind die deutschen Wölfe ja anders geartet Alls solche aus Südtirol...

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BeitragVerfasst: 01.04.2019, 12:40 
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25örefan hat geschrieben:
Keine Scheu...?
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) räumt unter „Neues aus dem Bundesamt für Naturschutz/ Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“ ein:
Zitat:
...muss berücksichtigt werden, dass es die sogenannte „natürliche Scheu“ von Wildtieren nicht gibt . Man müsse das Verhalten der einzelnen Individuen Prüfen und dann über den Umgang entscheiden.

https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/artens ... halten.pdf


Das Bundesamt für Naturschutz hat nachträglich nichts "eingeräumt". Insbesondere von Jagdmagazinen und dem Deutschen Jagdverband wurde verbreitet, dass das Bundesamt für Naturschutz 2017 "erstmals" anerkannt hätte, "dass der Wolf keine natürliche Scheu vor dem Menschen hat".

Zitat:
Erstmals erkennt der amtliche Naturschutz offiziell an, dass der Wolf keine natürliche Scheu vor dem Menschen hat.

Deutscher Jagdverband, 08.11.2017: BfN: Wolf hat keine Scheu vor Menschen https://www.jagdverband.de/content/bfn- ... r-menschen


Das ist schlichtweg falsch. Typische Fake-News, anhand derer offenbar der Eindruck erweckt werden soll, dass es eine Art "neue Eskalationsstufe" geben würde. Mit dieser offensichtlichen Manipulation schwindet allerdings eher das Vertrauen in die Jäger als in den amtlichen Naturchutz oder in die Wölfe.:

Das Bundesamt für Naturschutz hat niemals von einer "Scheu" gesprochen, wie für jeden Leser jederzeit im Leitfaden von 2006 (!!!) nachvollziehbar nachzulesen ist:

Zitat:
Wölfe, wie auch andere Tiere, haben keine "arttypische" Scheu vor menschlichen Siedlungen oder Strukturen. Auch die Scheu vor dem Menschen ist nicht angeboren, sondern individuell erworben. Davon kann sich ein jeder in den Nationalparken dieser Welt überzeugen. Dort, wo Tiere den Menschen nicht als Feind kennen gelernt haben, ignorieren sie ihn in aller Regel.

Bundesamt für Naturschutz, Skript 201, I. Reinhardt, G. Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer
konfliktträchtigen Tierart in Deutschland, 2006, Seite 111
https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf


Zitat:
Wölfe können durchaus in enger Nachbarschaft des Menschen leben. Sie sind nicht auf Wildnisgebiete angewiesen. In Italien kommen sie bis in die Vororte Roms vor, in Spanien leben einige Rudel in ausgedehnten Getreidefeldern. [...] Selbst in einem so dünn besiedelten Gebiet wie der Oberlausitz, ist ein fast tägliches Zusammentreffen von Mensch und Wolf nahezu unvermeidbar. Wölfe werden gesehen, wenn sie Straßen oder Felder überqueren. Anfangs sind die Leute überrascht oder auch beunruhigt, wie nahe sich Wölfe an die Siedlungen "trauen". In der Dunkelheit laufen die Tiere häufig an den Dörfern entlang und kürzen den Weg auch schon mal durch nicht eingezäunte Gärten ab. Die Menschen brauchen einige Zeit, um das für sie zunächst ungewöhnlich wirkende Verhalten zu verstehen und in den richtigen Kontext zu stellen.

Bundesamt für Naturschutz, Skript 201, I. Reinhardt, G. Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer
konfliktträchtigen Tierart in Deutschland, 2006, Seite 17 und Seite 80
https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf


Aber wer um Himmels Willen hat denn dann den ganzen Müll vom "scheuen Wolf" verbreitet?

Die Jäger und die FDP in Niedersachsen zum Beispiel, 2008:


Ein Vertreter der Jägerschaft im Jahr 2008:
Zitat:
"Der Wolf ist ein so scheues Tier, das immer weg läuft, wenn Menschen in der Nähe sind".

Hamburger Abendblatt, 02.12.2008: Der Wolf ist zurück im Revier https://www.abendblatt.de/region/lueneb ... evier.html

FDP-Ministeriumssprecherin Stefanie Becker im Jahr 2008:
Zitat:
,,Ein Wolf wird sich nicht einem Siedlungsgebiet nähern."

Hamburger Abendblatt, 02.12.2008: Der Wolf ist zurück im Revier https://www.abendblatt.de/region/lueneb ... evier.html


Aber es findet sich natürlich immer jemand, der den Unsinn weiterverbreitet. Der amtliche Naturschutz hat den Blödsinn jedenfalls nicht in die Welt gesetzt.


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BeitragVerfasst: 01.04.2019, 13:08 
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Und hier noch eine fachliche Einschätzung zu einem vergleichbaren Fall der Ziegenhirtin:

Zitat:
Fall 14 2015, Februar, Wolf an Schafherde (Schleswig-Holstein)

Im Februar 2015 brachte ein Wolfswelpe in Schleswig-Holstein eine Schafherde zum Ausbrechen. Anschließend versuchte er immer wieder, an die frei herumlaufenden Schafe heranzukommen, obwohl Menschen sich ihm in den Weg stellten, um ihn davon abzuhalten.
[...] Das oben beschriebene Verhalten ist zwar nicht alltäglich, aber auch nicht so außergewöhnlich, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag. Der Wolf war auf die Schafe fixiert und zeigte keinerlei Interesse an den Menschen. Er versuchte auch nicht, sich ihnen zu nähern, sondern trotz der Menschen an die erhoffte Beute zu gelangen. Wölfe kommen öfter in Situationen, in denen sie von potentiellen Beutetieren oder von einem Riss vertrieben werden. Dies kann z.B. durch Wildschweine erfolgen, die nicht selten von sich aus Wölfe angreifen. Oder durch Aasfresser wie Bären, die versuchen, einen Riss zu übernehmen. Es liegt daher in der Natur von Wölfen, in so einer Situation auszutesten, ob sie diese nicht doch für sich entscheiden können.

Einschätzung: normales Wolfsverhalten. Ungefährlich.


BfN-Skript 502, I. Reinhardt, P. Kaczensky, J. Frank, F. Knauer, G. Kluth: Konzept zum Umgang mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten - Empfehlungen der DBBW - , Seite 48, 2018 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/servic ... ipt502.pdf


In Niedersachsen sind die Nutztier-Risse trotz einer Zunahme von Wölfen und Wolfsrevieren übrigens stark rückläufig:

Zitat:
Die Zahl der Nutztier-Risse durch Wölfe ist im vergangenen Jahr in Niedersachsen offenbar deutlich zurückgegangen. 2018 gab es nach Angaben des Niedersächsischen Landvolk-Verbandes 327 nachgewiesene Wolfsübergriffe. [...] 2017 lagen die Zahlen mit 428 durch Wölfe getöteten Nutztieren noch deutlich höher, [...]. Niedersachsens Schafhalter besaßen den Angaben zufolge 2018 insgesamt 233.685 Schafe. Demnach sind im vergangenen Jahr rund 0,13 Prozent des Schafbestandes im Bundesland Opfer von Wolfsangriffen geworden.

MK-Kreiszeitung, 29.03.2019: Zahl der Nutztier-Risse durch Wölfe zuletzt deutlich rückläufig https://www.kreiszeitung.de/lokales/nie ... 9kgz9LeQfs


Den 0,13 Prozent durch Wölfe gerissenen Schafen steht übrigens eine natürliche Lämmer-Sterblichkeitsrate von 5-10 Prozent gegenüber:

Zitat:
Die Zahl der totgeborenen Schafe liegt laut Landvolk um ein Vielfaches höher. [...] Der Referent für Tierzucht und Tierhaltung beim Niedersächsischen Landvolk, Klaus Gerdes, erläuterte: „Je nach Rasse und Jahr haben wir jährliche Lämmerverluste von jeweils fünf bis zehn Prozent infolge von Schwergeburten, Totgeburten, lebensschwachen Lämmern und so weiter.“

MK-Kreiszeitung, 29.03.2019: Zahl der Nutztier-Risse durch Wölfe zuletzt deutlich rückläufig https://www.kreiszeitung.de/lokales/nie ... 9kgz9LeQfs


Alle Panikschürer dürfen sich jetzt also wieder hinlegen. :wink:


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BeitragVerfasst: 02.04.2019, 00:18 
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DjM schrieb
Zitat:
Das Bundesamt für Naturschutz hat nachträglich nichts "eingeräumt". Insbesondere von Jagdmagazinen und dem Deutschen Jagdverband wurde verbreitet, dass das Bundesamt für Naturschutz 2017 "erstmals" anerkannt hätte, "dass der Wolf keine natürliche Scheu vor dem Menschen hat".

Habe ich etwas von „nachträglich“ geschrieben?
Welchen Eindruck wollt Ihr vermitteln, wenn Ihr in diesem Zusammenhang explizit auf Jagdmagazine und DJV und deren Stellungnahme dazu hinweisen müsst, obwohl ich dies nicht angesprochen oder diese zitiert habe? Geht es Euch wirklich nur um eine sachliche Richtigstellung?
So auch hier:
DjM schrieb:
Zitat:
Aber wer um Himmels Willen hat denn dann den ganzen Müll vom "scheuen Wolf" verbreitet?
Die Jäger und die FDP in Niedersachsen zum Beispiel, 2008....

Ach, die FDP und „die Jäger“ sollen es gewesen sein.
Die also haben den vielen, die oft genug lediglich rein emotional dem Wolf zugeneigt, immer wieder gern nachgesprochen das Argument Scheuheit des Wolfes in den Mund gelegt, wenn es in Leserbriefen. sozialen Medien, TV- Diskussionen darum geht, Wolfskritikern die Harmlosigkeit des Wolfes zu „vermitteln“?
Nein,
gerade „Fachleute“ sprechen vom „natürlich scheuen“ oder nur „scheuen“ Wolf.
Auch der Wolfsberater des Landes Niedersachsen für den Landkreis Schaumburg Florian Brandes spricht von natürlicher Scheu:
Zitat:
...hatten Menschen die Raubtiere angefüttert. „Dadurch entdeckt der Wolf den Menschen als Futterquelle und verliert seine natürliche Scheu, erklärt Brandes.
http://www.sn-online.de/Thema/Specials/T/Thema-des-Tages2/Rotkaeppchen-kann-aufatmen
Ebenso verbreitet NABU-Wolfsbotschafter Bernhard Boegner die angebliche Scheu des Wolfes:
Zitat:
Der Wolf ist scheu, in der Regel geht er uns aus dem Weg“, sagt Bernhard Boegner.

:mrgreen: Obwohl so scheu kann er ja nicht sein, wenn der Nabu Wolfs-Botschafter davor warnt, den Jagdinstinkt nicht durch Davonlaufen zu wecken.
https://bnn.de/lokales/karlsruhe/angefu ... eine-scheu

Auch der Schweizer Verein chwolf.org, der nach eigenem Bekunden „ die Aufklärung und Information der Bevölkerung über den Wolf, seine Biologie, seine Lebensweise, sein Verhalten,...bezweckt“, spricht von „natürlicher Scheu“:
Zitat:
Bei einem Wolf, dessen Fluchtdistanz durch Gewöhnung an den Menschen geringer als „normal“ ist, spricht man im englischen Sprachraum von einem „bold Wolf“, was so viel wie „mutiger Wolf“ bedeutet. Ein solcher Wolf ist zutraulicher und hat seine natürliche Scheu gegenüber dem Menschen reduziert oder sogar verloren.
https://chwolf.org/ueber-uns/vision
Und in der Überschrift der Seite des IFAW lautet die plakative Überschrift:
Zitat:
Der scheue Wolf
Wölfe sind in der Regel sehr scheue Tiere...
https://www.ifaw.org/deutschland/unsere-arbeit/wölfe/wölfe-scheu-und-anpassungsfähig
Somit erübrigt sich Euer Einwurf:
Zitat:
Aber wer um Himmels Willen hat denn dann den ganzen Müll vom "scheuen Wolf" verbreitet?
Die Jäger und die FDP in Niedersachsen zum Beispiel, 2008....
es sei denn Ihr erweitert Eure beispielhafte Aufzählung um Nabu- Botschafter , Landes-Wolfsbeauftragte, IFAW und andere.
Und dann das noch:
Die jungen Mitteleuropäer hat geschrieben:
Und hier noch eine fachliche Einschätzung zu einem vergleichbaren Fall der Ziegenhirtin:

Zitat:
Fall 14 2015, Februar, Wolf an Schafherde (Schleswig-Holstein)

Im Februar 2015 brachte ein Wolfswelpe in Schleswig-Holstein eine Schafherde zum Ausbrechen. Anschließend versuchte er immer wieder, an die frei herumlaufenden Schafe heranzukommen, obwohl Menschen sich ihm in den Weg stellten, um ihn davon abzuhalten.
[...] Das oben beschriebene Verhalten ist zwar nicht alltäglich, aber auch nicht so außergewöhnlich, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag. Der Wolf war auf die Schafe fixiert und zeigte keinerlei Interesse an den Menschen. Er versuchte auch nicht, sich ihnen zu nähern, sondern trotz der Menschen an die erhoffte Beute zu gelangen. Wölfe kommen öfter in Situationen, in denen sie von potentiellen Beutetieren oder von einem Riss vertrieben werden. Dies kann z.B. durch Wildschweine erfolgen, die nicht selten von sich aus Wölfe angreifen. Oder durch Aasfresser wie Bären, die versuchen, einen Riss zu übernehmen. Es liegt daher in der Natur von Wölfen, in so einer Situation auszutesten, ob sie diese nicht doch für sich entscheiden können.

Einschätzung: normales Wolfsverhalten. Ungefährlich.


BfN-Skript 502, I. Reinhardt, P. Kaczensky, J. Frank, F. Knauer, G. Kluth: Konzept zum Umgang mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten - Empfehlungen der DBBW - , Seite 48, 2018 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/servic ... ipt502.pdf

Schönrederei:
Was nützt die „fachliche“ Einschätzung „ungefährlich“, wenn ein Hirte seine ihm anvertrauten Tiere nicht durch eigene Anwesenheit zu schützen vermag, sobald sich sehe Weidetiere außerhalb einer Befriedung sind (z.B. Wanderschäfer)
Und das obwohl immer wieder behauptet wird, dass sich Wölfe durch wie sogar in einem Schüleraufsatz Klasse 4 beschrieben angeblich ganz einfach durch
Zitat:
...keine Angst zeigen, sondern selbstbewusst auftreten, sich „groß“ machen und breitbeinig hinstellen. Es hilft ebenfalls lautes Klatschen und man sollte z. B. „Hau ab“ rufen. Wölfe reagieren sensibel auf Geräusche. Wenn man einen Regenschirm dabeihat, kann man diesen aufspannen. Das ist dann ein echter Schock für den Wolf.
beeindrucken lassen.

Und was nützt die „fachliche“ Einschätzung “ungefährlich“ , wenn andere Berichte das Gegenteil von „ungefährlich“ beweisen?
Zitat:
Ein 65-jähriger Mann aus der Provinz Vicenza wurde von zwei Wölfen angegriffen, als er mit einem Freund auf dem Land zwischen Sticciano und Rocca Strada in der Provinz Grosseto spazieren ging. Nach Aussagen hatte der Mann die beiden Tiere gesehen, die im Begriff waren, eine Schafherde in der Nähe des Waldes anzugreifen. Er näherte sich ihnen, um sie fortzujagen, aber die Wölfe griffen ihn an und bissen ihn in die Hand. Der 65-Jährige konnte sich befreien und die Wölfe zogen in den Wald. Jetzt befindet er sich mit einer tiefen Handverletzung in der Notaufnahme des Grosseto-Krankenhauses. Sein Freund ist unverletzt. (ANSA).
(lt.google Übersetzer)
https://www.virgilio.it/italia/grosseto ... 80305.html
Aber klar, auch weiterhin heißt es:
[quoteLautes, energisches Rufen oder Klatschen kann den Wolf vertreiben..
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/15812.html

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BeitragVerfasst: 03.04.2019, 12:16 
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25örefan hat geschrieben:
Habe ich etwas von „nachträglich“ geschrieben?
Welchen Eindruck wollt Ihr vermitteln, wenn Ihr in diesem Zusammenhang explizit auf Jagdmagazine und DJV und deren Stellungnahme dazu hinweisen müsst, obwohl ich dies nicht angesprochen oder diese zitiert habe? Geht es Euch wirklich nur um eine sachliche Richtigstellung?
Ein Zitat aus einem Jagdmagazin bleibt ein Zitat (einschließlich Rechtschreibfehler!), auch wenn Du es nicht korrekt als solches kennzeichnest und fälschlicherweise auch noch dem Bundesamt für Naturschutz unterzuschieben versuchst:
25örefan hat geschrieben:
Keine Scheu...?
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) räumt unter „Neues aus dem Bundesamt für Naturschutz/ Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“ ein:
Zitat:
muss berücksichtigt werden, dass es die sogenannte „natürliche Scheu“ von Wildtieren nicht gibt . Man müsse das Verhalten der einzelnen Individuen Prüfen und dann über den Umgang entscheiden.
https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/artens ... halten.pdf


Aus dem Jagdmagazin Jagderleben:
Zitat:
muss berücksichtigt werden, dass es die sogenannte „natürliche Scheu“ von Wildtieren nicht gibt (…)“. Man müsse das Verhalten der einzelnen Individuen Prüfen und dann über den Umgang entscheiden.

Jagdmagazin Jagderleben, 10.11.2017: BfN zum Wolf: "keine natürliche Scheu" https://www.jagderleben.de/news/bfn-wol ... iche-scheu


Man beachte den von 25örefan mitkopierten Rechtschreibfehler des Jagdmagazins: "Individuen Prüfen".

Das Originalzitat des Bundesamtes für Naturschutz lautet dagegen:
Zitat:
Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass es die so genannte „natürliche Scheu“ von Wildtieren nicht gibt, sondern dem Verhalten des einzelnen Tieres vielmehr individuelles Risikomanagement zugrunde liegt.

Bundesamt für Naturschutz, Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management, Natur und Landschaft, 92. Jahrgang (2017) — Heft 11, Seite 516 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/artens ... halten.pdf


Also nochmal:
25örefan hat geschrieben:
Welchen Eindruck wollt Ihr vermitteln, wenn Ihr in diesem Zusammenhang explizit auf Jagdmagazine und DJV und deren Stellungnahme dazu hinweisen müsst, obwohl ich dies nicht angesprochen oder diese zitiert habe? Geht es Euch wirklich nur um eine sachliche Richtigstellung?


Welchen Eindruck möchtest Du vermitteln, wenn Du aufgrund der Kritik an der permanenten Einseitigkeit Deiner (Jagd-)Quellen die Herkunft Deiner Zitate fortan verschleierst und stattdessen einfach anderen Quellen zuordnest? Nennst Du das etwa "sachlich"?


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BeitragVerfasst: 03.04.2019, 13:40 
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25örefan hat geschrieben:
es sei denn Ihr erweitert Eure beispielhafte Aufzählung um Nabu- Botschafter , Landes-Wolfsbeauftragte, IFAW und andere.
Durch selektives Zitieren von Aussagen aus dem Kontext gerissenener Zusammenhänge vieler beliebig zusammengewürfelter Menschen kann man wunderbar verfälschte Behauptungen konstruieren.

2 Beispiele:
25örefan hat geschrieben:
Und in der Überschrift der Seite des IFAW lautet die plakative Überschrift:
Zitat:
Der scheue Wolf
Wölfe sind in der Regel sehr scheue Tiere...
https://www.ifaw.org/deutschland/unsere-arbeit/wölfe/wölfe-scheu-und-anpassungsfähig


Im Kontext liest sich das allerdings so:
Zitat:
Der scheue Wolf - Wölfe: menschenscheu und ausgesprochen anpassungsfähig [...] Im Zusammenleben mit Menschen zeigen sich Wölfe sehr anpassungsfähig an verschiedenste Lebensräume. Sie brauchen keine unberührte Wildnis, sondern kommen auch mit Verhältnissen in intensiv genutzter Kulturlandschaft zurecht. [...] Wölfe sind in der Regel sehr scheue Tiere und suchen frühzeitig das Weite, sobald sie einen Menschen bemerken. Junge Wölfe können aber durchaus auch mal neugieriger und weniger vorsichtig reagieren, sodass man dann bessere Chancen hat, solch ein Tier zu Gesicht zu bekommen.

IFAW, International Fund for Animal Welfare: Der scheue Wolf https://www.ifaw.org/deutschland/unsere ... f%C3%A4hig


25örefan hat geschrieben:
Ebenso verbreitet NABU-Wolfsbotschafter Bernhard Boegner die angebliche Scheu des Wolfes:
Zitat:
Der Wolf ist scheu, in der Regel geht er uns aus dem Weg“, sagt Bernhard Boegner.
[...] https://bnn.de/lokales/karlsruhe/angefu ... eine-scheu


Im Kontext liest sich das allerdings so:
Zitat:
„Der Wolf ist scheu, in der Regel geht er uns aus dem Weg“, sagt Bernhard Boegner. „Es sei denn, es handelt sich um einen angefütterten Wolf, der Menschen mit einfach zu bekommender Nahrung in Verbindung bringt.“ Dass man Wölfe nicht füttern soll, versteht sich eigentlich von selbst, kommt aber trotzdem immer wieder vor. „Es kann auch passieren, dass man Jungwölfe im Alter von bis zu einem Jahr sieht. Die sind unheimlich neugierig und wollen die Welt entdecken. Von Statur und Körpergröße sind sie von ausgewachsenen Wölfen nicht zu unterscheiden. Das führt häufig zu Missverständnissen und zu Meldungen von einem Wolfsrudel.“

Badische Neueste Nachrichten, 03.03.2018: Ein angefütterter Wolf verliert seine Scheu https://bnn.de/lokales/karlsruhe/angefu ... eine-scheu


Dagegen stehen hier die undifferenzierten Pauschal-Aussagen von Jägern und FDP:
Ein Vertreter der Jägerschaft im Jahr 2008:
Zitat:
"Der Wolf ist ein so scheues Tier, das immer weg läuft, wenn Menschen in der Nähe sind".

Hamburger Abendblatt, 02.12.2008: Der Wolf ist zurück im Revier https://www.abendblatt.de/region/lueneb ... evier.html
FDP-Ministeriumssprecherin Stefanie Becker im Jahr 2008:
Zitat:
,,Ein Wolf wird sich nicht einem Siedlungsgebiet nähern."

Hamburger Abendblatt, 02.12.2008: Der Wolf ist zurück im Revier https://www.abendblatt.de/region/lueneb ... evier.html


Lässt man die plakativen Pauschalaussagen von Jägern und der FDP mal beiseite, kann man sich dem Thema seriöser annähern, wenn man das Wort "Scheu" (vor Menschen) durch den Begriff einer "allgemeinen Vorsicht" ersetzt. Die Amtsveterinärin Birgit Mennerich-Bunge erklärt das Phänomen durch eine irrtümliche Ableitung der Beobachtung des Verhaltens von jagdbaren Beutetieren wie Reh, Hirsch und Wildschwein durch zumeist Jäger, die deren überlebenswichtiges Feindvermeidungsverhalten, mit dem sie sich dem Jagddruck vor den menschlichen Jägern entziehen, fälschlicherweise auch auf große Beutegreifer am Ende der Nahrungskette übertragen.

Zitat:
Dieser Vergleich ist in meinen Augen fachlich kritisch zu hinterfragen. Beutetieren liegen von Natur aus etwas andere Handlungsprioritäten zu Grunde als großen Beutegreifern. Sie besitzen ein ausgeprägtes (Fress-) Feindvermeidungsverhalten, das dem großen Beutegreifer möglicherweise nicht im gleichen Maße eigen ist, da er es nicht benötigt. Zum Erhalt der individuellen Fitness müssen
Beutetieren in der Lage sein, die aktuelle Jagdmotivation von potenziellen Prädatoren korrekt einzuschätzen und Energie raubendes Feindvermeidungsverhalten nur an den Tag zu legen, wenn dieses erforderlich wird. Sie stellen sich auf den Jagddruck ein.
Hingegen hat der Wolf keine natürlichen Feinde (außer fremden Artgenossen). Sein Bestreben ist es vielmehr, sich beim Greifen der Beute nicht zu verletzten.


Birgit Mennerich-Bunge, Eine amtstierärztliche Sicht auf die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle, 23. Jahrgang – 4 / 2016, Seite 226 https://www.vetimpulse.de/fileadmin/use ... Wolfes.pdf


Zitat:
Der Wolf ist allgemein ein sehr vorsichtiges Großraubtier - wenn nicht das vorsichtigste Großraubtier dieser Breiten.
So beruht die sogenannte „Scheu“ des Wolfes m. E. nicht prioritär in der „Angst vor dem Menschen aufgrund von Bejagung“, sondern es liegt ihr vielmehr eine natürliche Vorsicht zu Grunde, die dieses Tier besitzen muss, wenn es sich nicht durch eine unvorsichtige Annäherung an unbekannte Objekte in Gefahr begeben will. Diese Vorsicht ist besonders bei adulten Wölfen ausgeprägt, wo hingegen die
juvenilen noch deutlich unbedarfter auf Umweltreize reagieren und mehr ausprobieren (müssen), um Beuteerfahrung zu sammeln.


Birgit Mennerich-Bunge, Eine amtstierärztliche Sicht auf die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle, 23. Jahrgang – 4 / 2016, Seite 226 https://www.vetimpulse.de/fileadmin/use ... Wolfes.pdf


Zitat:
Erfahrungen aus Schweden, dem einzigen europäischen Land, das über eine wissenschaftliche Eingreiftruppe bei Vorfällen mit Großraubtieren verfügt, belegen zwar seltene Vorfälle von Luchsen (insgesamt 2, meist als Welpen angefüttert) und Bären (2,3 / Jahr, oft freilaufende Hunde involviert) gegenüber Menschen, seit 1822 jedoch keine durch Wölfe.

Birgit Mennerich-Bunge, Eine amtstierärztliche Sicht auf die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle, 23. Jahrgang – 4 / 2016, Seite 226 https://www.vetimpulse.de/fileadmin/use ... Wolfes.pdf


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BeitragVerfasst: 03.04.2019, 13:56 
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Die jungen Mitteleuropäer hat geschrieben:


2 Beispiele:
25örefan hat geschrieben:
Und in der Überschrift der Seite des IFAW lautet die plakative Überschrift:
Zitat:
Der scheue Wolf
Wölfe sind in der Regel sehr scheue Tiere...
https://www.ifaw.org/deutschland/unsere-arbeit/wölfe/wölfe-scheu-und-anpassungsfähig


]Wölfe sind in der Regel sehr scheue Tiere und suchen frühzeitig das Weite, sobald sie einen Menschen bemerken. Junge Wölfe können aber durchaus auch mal neugieriger und weniger vorsichtig reagieren, sodass man dann bessere Chancen hat, solch ein Tier zu Gesicht zu bekommen. [size=85]
25örefan hat geschrieben:
Der Wolf ist scheu, in der Regel geht er uns aus dem Weg“, sagt Bernhard Boegner.


Zitat:
"Der Wolf ist ein so scheues Tier, das immer weg läuft, wenn Menschen in der Nähe sind".
FDP-Ministeriumssprecherin Stefanie Becker im Jahr 2008:
Zitat:
,,Ein Wolf wird sich nicht einem Siedlungsgebiet nähern."



Zitat:
Der Wolf ist allgemein ein sehr vorsichtiges Großraubtier - wenn nicht das vorsichtigste Großraubtier dieser Breiten.
So beruht die sogenannte „Scheu“ des Wolfes m. E. nicht prioritär in der „Angst vor dem Menschen aufgrund von Bejagung“, sondern es liegt ihr vielmehr eine natürliche Vorsicht zu Grunde, die dieses Tier besitzen muss, wenn es sich nicht durch eine unvorsichtige Annäherung an unbekannte Objekte in Gefahr begeben will. Diese Vorsicht ist besonders bei adulten Wölfen ausgeprägt, wo hingegen die
juvenilen noch deutlich unbedarfter auf Umweltreize reagieren und mehr ausprobieren (müssen), um Beuteerfahrung zu sammeln.




Wolf reißt Ziegen auf Kindergartengelände
https://www.nordkurier.de/aus-aller-wel ... 67408.html

und weiter:
Zitat:
Erst vor wenigen Wochen sorgte ein Wolf in Cunnewitz (Landkreis Bautzen) für Aufregung. Das Tier trieb damals einen Damhirsch durch das kleine Dorf, bis dieser schließlich gegen ein Tor rannte und verendete.


Wie war das noch mal??
Zitat:
,,Ein Wolf wird sich nicht einem Siedlungsgebiet nähern."


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BeitragVerfasst: 03.04.2019, 14:58 
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Wolf reißt Ziegen - nicht: Wolf reißt Kinder.

Zitat:
Nutztierübergriffe gehören zum Normalverhalten

Kleine – seltener auch große – Klauentiere gehören zum normalen Beutespektrum des Wolfes. Laut einer Untersuchung zur
Nahrungsanalyse liegt der Anteil Nutztiere im Nahrungsspektrum des Wolfes allerdings unter 1%. Mit Angriffen auf diese Nutztiere muss in Wolfsregionen gerechnet werden. Dass Weidetiere „dem Menschen gehören und tabu sind“ weiß ein Wolf nicht, an Menschengeruch im
Umfeld ist er durch Habituierung gewöhnt. Erfolgreiche Angriffe auf unzureichend geschützte Nutztiere führen zu einer Futterkonditionierung und Spezialisierung auf diese Beute.
[...] Der wolfsabweisende Schutz von nicht wehrhaften Nutztieren ist somit Grundvoraussetzung für ein konfliktarmes Miteinander zwischen Wolf und Mensch.

Birgit Mennerich-Bunge: Muss der Wolf Respekt lernen?- Erfahrungen aus Niedersachsen, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle 25. Jahrgang – 2 / 2018, Seite 4 https://www.elli-radinger.de/wp-content ... lernen.pdf


Zitat:
Klüger ist es daher, das weitere Verhalten von Wölfen durch negative Erfahrungen beim Übergriffsversuch auf Nutztiere zu beeinflussen. Wölfe, die möglichst gleich beim ersten Versuch und dann wiederholt schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Elektrozaun gemacht haben, werden Nutztiere meiden. So konditionierte Rudel sind dann der beste Schutz gegen weitere Übergriffe, denn sie lassen
keine fremden Wölfe in ihrem Revier zu.


Birgit Mennerich-Bunge: Muss der Wolf Respekt lernen?- Erfahrungen aus Niedersachsen, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle 25. Jahrgang – 2 / 2018, Seite 4 https://www.elli-radinger.de/wp-content ... lernen.pdf


Die Ziegen in der Kita waren - obwohl im Wolfsgebiet - nicht ausreichend geschützt. Nach dem Riss der ersten Ziege wurde daran auch nichts geändert, so dass 14 Tage später die zweite Ziege gerissen wurde. Die Verantwortlichen wollen sich "nicht vor dem Wolf schützen müssen". Und neue Ziegen wollen sie auch nicht - jedenfalls nicht vom Wolfsschutzverein, der ihnen Ersatz und Hilfe angeboten hatte.

Zitat:
Fotos zeigten, dass im rückseitigen Bereich kein ausreichender Schutz gegen wildernde Hunde und auch Wölfe vorhanden sei. „Wir fragen uns deshalb auch, wie es passieren konnte, dass hier mehr als 14 Tage abgewartet worden ist und erst auf den zweiten Riss gewartet wurde, bevor über Sicherungsmaßnahmen nachgedacht wurde“, sagt Sommer.

Lausitzer Rundschau, 19.08.2018: Spende abgelehnt - Nach Wolfsriss: Kita will keine neuen Ziegen von Wolfsschutzverein
https://www.lr-online.de/lausitz/weissw ... d-28199277


Zitat:
Normalität herstellen heißt auch, dass wieder Ziegen angeschafft werden, als Nachfolger für Lolek und Bolek, wie sie genannt wurden. „Angebote haben wir schon viele bekommen, wir könnten eigentlich einen Tierpark mit Ziegen aufmachen." [...] Grundtenor war die Aussage: „Wir wollen uns nicht vor dem Wolf schützen müssen.“ Und: Der Kindergarten soll zu keiner Festung werden.

Sächsische Zeitung, 24.08.2018: Nachfolger für Lolek und Bolek - Tiere gehören zum pädagogischen Konzept der Kita Uhsmannsdorf. Daran ändert auch der Wolf nichts https://www.saechsische.de/nachfolger-f ... 01066.html


Elektrozäune sind gang und gäbe auf jedem Ponyhof - das lernt jede Sechsjährige, die da ihren Urlaub macht oder Reitunterricht nimmt. Kein Mensch würde hier von einer "Festung" sprechen, sondern von einem Sicherheitskonzept, das Ponys zuverlässig am Ausbrechen hindert und das auch von Kindern leicht zu bedienen ist. So lernt man am praktischen Beispiel gleich auch noch was über Physik.

Welches "pädagogische Konzept" erhofft man sich stattdessen davon, Ziegen mitten in einem Wolfsgebiet zu halten, ihnen einen wolfsabweisenden Schutz vorzuenthalten und damit quasi Wölfe durch ein leicht erreichbares Buffet zum nächtlichen Schmaus anzulocken? Geht es vielleicht gar nicht vorrangig um die "Pädagogik", sondern um die Erschaffung bildstarker, emotionsgeladener Botschaften?

Zitat:
Anfang Februar bezeugte der Deutsche Bundestag die Geburt eines modernen Fabelwesens: Die Rede war vom neuen bösen Wolf, jenem blutrünstigen Geschöpf, das nicht Rotkäppchen und Großmutter, dafür aber kleine Jungs und Mädchen auf dem Schulweg und im Kindergarten verschlinge. [...] "Politiker und Wolfsgegner machen den Menschen Angst, um sie zu manipulieren", so der Wissenschaftler. "Das ist zynisch und schmutzig, aber der Trick wird oft angewandt, einfach weil er so gut funktioniert."

Julia Koch im Interview mit dem norwegischen Wissenschaftler John Linnell vom Norwegischen Institut für Naturforschung in Trondheim, der im sogenannten "Linnell-Report" (NINA-Studie) Wolfsangriffe aus 450 Jahren ausgewertet hat, DER SPIEGEL 10/2018 vom 03.03.2018, Seite 104-105


Zitat:
„80 Prozent der Bevölkerung sind für den Schutz des Wolfes. Die müssen wir geistig umdrehen.“ Denn erst wenn Wölfe auch für Freizeitsportler, Touristen und Erholungssuchende eine Gefahr werden, könne ein Umdenken einsetzen. „Wir müssen der Bevölkerung ein Problem machen“ [...]. Dafür sollten Viehhalter und Bauernstand eine PR-Maschinerie in Gang setzen.

Tiroler Tageszeitung, 01.06.2018: Wolf mit PR-Maschinerie bekämpfen https://www.tt.com/panorama/gesellschaf ... bekaempfen


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BeitragVerfasst: 03.04.2019, 15:04 
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Ronald hat geschrieben:
Wie war das noch mal??
Zitat:
,,Ein Wolf wird sich nicht einem Siedlungsgebiet nähern."


Das sagte 2008 die Pressesprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums von der FDP. Also von den Profis, denen wir auch den Klimaschutz überlassen sollen, weil die so viel davon verstehen. :mrgreen:

Hamburger Abendblatt, 02.12.2008: Der Wolf ist zurück im Revier https://www.abendblatt.de/region/lueneb ... evier.html


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BeitragVerfasst: 03.04.2019, 16:01 
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Kann der Abschuss einer Zahl X von Wölfen im Rahmen einer allgemeinen "Populationsbegrenzung" das Auftreten von Nutztierrissen verhindern? Wären die Kita-Ziegen "Lolek und Bolek" dadurch vor Wölfen geschützt gewesen?

Mitnichten. Denn dann hätten sich ja auch die bisher in Deutschland im Straßenverkehr (242) und illegal (37) sowie auf Anordnung (3) getöteten 282 Wölfe limitierend auf die Nutztierrisse auswirken müssen. Stattdessen korreliert die Zahl der Nutztierrisse mit der Qualität des Herdenschutzes und nicht mit der Zahl der Wölfe.

Zitat:
Ein Vergleich der Anzahl regionaler Nutztierübergriffe in Niedersachsen vor dem Hintergrund dort regional vorhandener Wolfsrudel zeigt, dass die Anzahl Übergriffe nicht zwingend von der Anzahl Rudel abhängig ist (...). Vielmehr spielt eine Rolle, welche Erfahrungen das Rudel mit Nutztieren gemacht hat. Der wolfsabweisende Schutz von nicht wehrhaften Nutztieren ist somit Grundvoraussetzung für ein konfliktarmes Miteinander zwischen Wolf und Mensch. Wird dieses missachtet, und Wölfe lernen, dass Nutztiere leichter zu erbeuten sind als das heimische Wild, werden sie die Erfahrung im Rudel weitergeben. Ein konfliktarmes Miteinander von Nutztierhaltern und Wolf ist dann nicht mehr möglich, der einfache Grundschutz wird nicht mehr reichen. Klüger ist es daher, das weitere Verhalten von Wölfen durch negative Erfahrungen beim Übergriffsversuch auf Nutztiere zu beeinflussen. Wölfe, die möglichst gleich beim ersten Versuch und dann wiederholt schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Elektrozaun gemacht haben, werden Nutztiere meiden.

Birgit Mennerich-Bunge: Muss der Wolf Respekt lernen? Erfahrungen aus Niedersachsen, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle 25. Jahrgang – 2 / 2018, Seite 4 https://www.elli-radinger.de/wp-content ... lernen.pdf


Zitat:
Einzelne aktive Vergrämungsmaßnahmen oder die Bejagung können (wie oben erklärt) keinen Beutegreifer dauerhaft von seinen Beutetieren fernhalten. Zudem ist sogar mehrfach der gegenteilige Effekt bei einer Intensivierung der Bejagung beschrieben worden: eine erhöhte Anzahl Nutztierrisse durch Zerstörung der Rudelstruktur.

Birgit Mennerich-Bunge: Muss der Wolf Respekt lernen? Erfahrungen aus Niedersachsen, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle 25. Jahrgang – 2 / 2018, Seite 4 https://www.elli-radinger.de/wp-content ... lernen.pdf


Zitat:
Problematisch wird es hingegen, wenn Wölfe durch Futter oder andere Attraktionen aktiv die Nähe des Menschen suchen (Futterkonditionierung). Diese Wölfe haben erfahren, dass es in der Nähe von Menschen leichte Beute oder andere positive Reize gibt und suchen diese immer wieder auf. [...] Auch ungeschützte Nutztiere fallen in diesen Kontext. Ein effektiver Herdenschutz ist daher unabdingbar. Wölfe dürfen Nutztiere gar nicht erst als leichte Beute kennen lernen. Negativerfahrungen (z. B. Zaun-Stromschlag) werden ebenso wie Erfolge von den Elterntieren an die Jungwölfe weitergegeben. Aus diesem Grund sind Wolfselterntiere, die bereits negative
Erfahrungen mit Elektrozäunen um Schafe und Gatterwild gemacht haben, der beste Schutz vor weiteren Übergriffen. Sie meiden diese Futterquellen, geben die Erfahrung an ihre Jungen weiter und verhindern darüber hinaus die Ansiedlung fremder Wölfe. Die Situation stabilisiert sich.


Birgit Mennerich-Bunge: Eine amtstierärztliche Sicht auf die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle, 23. Jahrgang – 4 / 2016, Seite 227 https://www.vetimpulse.de/fileadmin/use ... Wolfes.pdf


Kann eine allgemeine Bejagung den Wölfen generell "Scheu" vor dem Menschen beibringen?

Auch nicht:
Zitat:
Es ist allgemeiner aktueller Wissenstand, dass sich die Wolfsdichte einer Region ganz eng dem Nahrungsangebot anpasst. Eine Regulierung der Wolfsbestände seitens des Menschen ist somit aktuell nicht erforderlich, der vernünftige Grund zum Töten m. E. nicht gegeben. [...] Es ist weiterhin bisher nicht wissenschaftlich belegt, dass eine Bejagung die Scheu der Wölfe dem Menschen gegenüber erhöhen würde. [...] Eine Verknüpfung schlechter Erfahrungen (hier Bejagung) kann nur dann zum Menschen geschehen, wenn sich dieser bei den einwirkenden aversiven Reizen nahe genug am Wolf befindet. Der so bejagte Wolf muss zudem noch überleben, um seine Erfahrungen weitergeben zu können. Die Methoden vergangener Jahrhunderte sind heute nicht mehr akzeptabel und – anders als beim Schalenwild – werden vermutlich selbst Treib- Bewegungsjagden auf den Wolf auch zukünftig keine Option sein. Bei der Ansitzjagd ist eine Verknüpfung des aversiven Reizes zum Menschen jedoch schwer herzustellen. Viel wahrscheinlicher könnte es hingegen eine Verknüpfung zum Ort des Geschehens geben, da menschlicher Geruch in unserer dichtbesiedelten Gesellschaft allgegenwärtig ist.
Überspitzt ausgedrückt könnte ein bejagter Wolf heute vielmehr lernen, den jagdintensiven Ort „Wald / Feld“ zu meiden und stattdessen die jagdberuhigte Nähe von Siedlungen zu suchen.


Birgit Mennerich-Bunge: Eine amtstierärztliche Sicht auf die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle, 23. Jahrgang – 4 / 2016, Seite 226 ff. https://www.vetimpulse.de/fileadmin/use ... Wolfes.pdf


Oder anders ausgedrückt:

Zitat:
Der Umkehrschluss, dann müsse den Wölfen eben mittels Bejagung Respekt beigebracht werden, läuft ins Leere. Habituierung
geschieht ständig und läuft unbewusst ab. Sie ist daher kaum zu beeinflussen. Mit anderen Worten: Wenige negative Erfahrungen mit einzelnen Menschen in einzelnen Situationen und an einzelnen Orten löschen nicht die vielfältigen neutralen menschlichen Reize in der Umwelt des Wolfes. Eine Bejagung kann bereits aus diesem Grund nicht die Scheu des Wolfes allgemein gegenüber Menschen erhöhen, allenfalls punktuell gegenüber bestimmten Situationen an einzelnen Orten zu bestimmten Zeiten. Daneben kann ein Wolf schwerlich einen aus größerer Entfernung abgegebenen Schuss mit dem Menschen verknüpfen, so er denn überhaupt überlebt, um die Erfahrung weiter zu geben. Hingegen lernen Wölfe schnell, dass im Zuge größerer Jagden auch für sie leichte Beute (angeschossene Tiere, Aufbrüche) anfällt und Schüsse somit etwas Vielversprechendes sind. Tatsächlich werden Wölfe in Deutschland bereits (illegal) bejagt: von 135 seit 2012
bis zum 10.4.2018 im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) untersuchten Wolfstotfunden waren 29 Tiere illegal durch Schuss getötet worden, weitere 8 Wölfe mit anderer Todesursache enthielten Geschosspartikel. Die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches höher liegen. Einen Effekt auf die Scheu hatte das bisher nicht.


Birgit Mennerich-Bunge: Muss der Wolf Respekt lernen? Erfahrungen aus Niedersachsen, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle 25. Jahrgang – 2 / 2018, Seite 3 https://www.elli-radinger.de/wp-content ... lernen.pdf


Wenn eine Bejagung also als "Lösung" angepriesen wird, handelt es sich um reine Augenwischerei. Weder schützt eine Bejagung Nutztiere (im Gegenteil) noch kann sie zuverlässig verhindern, dass Menschen und Wölfe sich begegnen. Eher werden Wölfe die Erfahrung machen, dass sie in jagdbefriedeten Gebieten - also in Siedlungen und Siedlungsnähe - sicherer sind. Das hilft dann weder Lolek und Bolek noch den Kita-Kindern oder den an Schulbushaltestellen Wartenden. Wolfsbejagung ist eine billige Scheinlösung, die Menschen für dumm verkauft und allein denen nutzt, die Spaß am Töten von Wölfen haben.


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