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BeitragVerfasst: 02.03.2019, 14:54 
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Da ich ja immer noch eingetragenes Mitglied des Forums bin juckte es mir nach dem Lesen eines aktuellen Beitrags über die „historische“ Vikingebro (Wikingerbrücke) etwas zu den Wikingern zu sagen:

Ist eigentlich bekannt, dass die Wikinger eine gefürchtete Mörderbande war die außer jungen Frauen nie Gefangene machten sondern alles Leben in den von ihnen gebranntschatzten Dörfern niedermetzelten?
Klar sind kriegerische Handlungen immer grausam. Der Unterschied: Die Wikinger mordeten aus reiner Habgier und gaben sich nicht allein mit ihrer Beute zufrieden. Alles Leben musste abgeschlachtet werden. Angefangen haben ihre blutigen Raubzüge im Jahr 793 als die Wikinger, damals noch als „Nordmänner“ oder „Männer aus dem Norden“ bezeichnet das an der englischen Küste befindliche unverteidigte Kloster Lindisfarne überfielen, es ausraubten, die Mönche ermordeten, verschleppten und ertränkten. Seit dieser Zeit ist die Geschichte der Wikinger für rund 250 Jahre mit Blut gezeichnet.

Ich verstehe nicht ganz, warum man ein Volk, welches durch ihr grausames Vorgehen weltweit traurige Berühmtheit erlangte derart glorifizieren kann. Das machen wir doch mit dem IS auch nicht.
Ja ich weiß, ich bin ein Spielverderber. Wahrscheinlich kommt jetzt einer und sagt, dass mir als Deutscher derartige Worte nicht zustehen. Dazu kann ich dann nur sagen, dass ich auf diese Zeit, mit der er/sie mich da evtl. in Verbindung bringt bestimmt nicht stolz bin. Die Dänen aber auf ihre Wikinger schon. Sie lassen diese regelrecht hoch leben.

http://www.geschichtsforum.de/thema/gra ... ger.43448/

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... klich.html

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BeitragVerfasst: 02.03.2019, 15:03 
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Hinnerk hat geschrieben:
Ich verstehe nicht ganz, warum man ein Volk, welches durch ihr grausames Vorgehen weltweit traurige Berühmtheit erlangte derart glorifizieren kann.

Wer glorifiziert denn deiner Meinung nach? Sind es wirklich "alle Dänen" wie in der Überschrift zu lesen?

Hendrik77


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BeitragVerfasst: 02.03.2019, 15:49 
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Vor allen Dingen ist es kriegsstrategisch dumm, seine Gegner abzumetzeln. Besser ist es, den Gegner zu verwunden. Ein verwundeter Soldat bindet 3 Soldaten.


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BeitragVerfasst: 02.03.2019, 16:07 
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Hendrik77 hat geschrieben:
Hinnerk hat geschrieben:
Ich verstehe nicht ganz, warum man ein Volk, welches durch ihr grausames Vorgehen weltweit traurige Berühmtheit erlangte derart glorifizieren kann.

Wer glorifiziert denn deiner Meinung nach? Sind es wirklich "alle Dänen" wie in der Überschrift zu lesen?

Hendrik77

Nun ja, fast jeder Ort in Dänemark hat seinen Wikingerverein. Größere Vereine unterhalten Wikingerdörfer zur Gaudi der Besucher bzw. Touris. Bei uns sind das einfach Museumsdörfer. Und dann die Spielzeugläden. Da wird man von Wikingerspielzeug förmlich erschlagen. Lachen muss ich immer wenn ich diese Plastikhelme mit Hörnern sehe. Als ob derartiges früher die Wikinger getragen hätten. Vielleicht beim Wikingerschach? :mrgreen:

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BeitragVerfasst: 02.03.2019, 16:09 
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Kairos hat geschrieben:
Vor allen Dingen ist es kriegsstrategisch dumm, seine Gegner abzumetzeln. Besser ist es, den Gegner zu verwunden. Ein verwundeter Soldat bindet 3 Soldaten.

Heute trifft das zu. Vor über 1000 Jahren wohl eher nicht.

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BeitragVerfasst: 02.03.2019, 18:29 
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Die Autoren von "Wickie der Wikinger" oder "Hägar der Schreckliche" stammen jedenfalls nicht aus Dänemark,also da wird nichts glorifiziert. Hier sehe ich auch nichts davon. https://danmarkshistorien.dk/perioder/v ... -800-1050/ :wink:
Hendrik77


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BeitragVerfasst: 02.03.2019, 18:59 
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Hinnerk hat geschrieben:
Kairos hat geschrieben:
Vor allen Dingen ist es kriegsstrategisch dumm, seine Gegner abzumetzeln. Besser ist es, den Gegner zu verwunden. Ein verwundeter Soldat bindet 3 Soldaten.

Heute trifft das zu. Vor über 1000 Jahren wohl eher nicht.

Ist wohl so. Die Dänen sollen mal Clausewitz lesen, anstatt grundlos über andere Völker herzufallen.


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BeitragVerfasst: 02.03.2019, 19:22 
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Hendrik77 hat geschrieben:
Die Autoren von "Wickie der Wikinger" oder "Hägar der Schreckliche" stammen jedenfalls nicht aus Dänemark,also da wird nichts glorifiziert. Hier sehe ich auch nichts davon. https://danmarkshistorien.dk/perioder/v ... -800-1050/ :wink:
Hendrik77

Ich bitte dich Hendrik. In Dänemark stolpert man doch förmlich über die "Vermarktung" der Wikinger. Ich habe leider keinen Hinweis über die Anzahl der Wikingervereine in Dänemark gefunden. Gefühlt scheint aber jeder Ort so einen zu haben. Die scheinen in DK wohl so etwas wie in D die Pfadfinder zu sein. :mrgreen:

https://www.dansk.de/daenemark/wikinger.aspx

https://www.visitdenmark.de/de/daenemar ... r-wikinger

https://www.visitdenmark.de/de/daenemar ... ger-events

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BeitragVerfasst: 03.03.2019, 11:16 
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Bei genauerem Hinsehen huldigt fast die ganze Welt irgendwelchen Mörderbanden. Z.B. die Ritterfestspiele bei süddeutschen Burgruinen verherrlichen die Kreuzritter, die mit unbeschreiblicher Grausamkeit (unter m.E. lächerlichem Vorwand) unschuldige Menschen überfallen haben, die (m.E. zu Recht) als Opfer subventionierten First Nations in Nordamerika feiern ihre alte Kultur, die nach archäologischen Erkenntnissen Völkermord und Sklavenhaltung beinhaltete, über Jahrhunderte (vor den Kolonisten) waren die hervorragendsten Wirtschaftszweige Afrikas der Sklavenfang und -handel...

Andere Zeiten, andere Sitten. Für die Wikinger waren Raubüberfälle nicht unmoralisch, aber erwiesenermaßen waren Fernhandel und Landwirtschaft (letztere durch tüchtige Frauen mit sehr fortschrittlichen Rechten) mindestens ebenso wichtiger Broterwerb.
Natürlich haben die Opfer der Überfälle sehr einseitig berichtet. Aber womöglich waren die Räuber mehr geldgierig als mordlustig, schließlich gab es das Danegeld, und Gefangene waren kostbare Handelsware, die niemand leichtfertig zerstört. Und Geldgier ist ja auch den heutigen Menschen nicht so fremd.

Alle Berichte sollten m.E. kritisch gelesen und auf Plausibilität geprüft werden. Die m.E. sehr lesenswerten Bücher "Speckseites Ostseefahrt (Thomsen)" und "Röde Orm (Bengtsson)" schildern eine m.E. halbwegs glaubwürdige Welt der Wikinger. Für mich sind die Wikinger vor allem als besonders geniale Schiffbauer und Navigatoren bedeutsam - hinsichtlich ihrer Mordlust eher Mittelmaß.

sea u in denmark


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BeitragVerfasst: 03.03.2019, 13:49 
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Ja nun, man kann sich alles schön- oder schlechtreden wie es gerade passt, so auch die Zeit der Ritter im Mittelalter. Nur waren es eben nicht alles Tempelritter die im Namen des Papstes mordend durch Europa zogen. In erster Linie waren Ritter nichts anderes als Soldaten, heute spricht man von der Bundeswehr bzw. Bundeswehrsoldaten. Zudem waren die Ritter des Mittelalters keine deutsche Spezialität. Sie gab es in ganz Europa, auch in Dänemark. So beispielsweise der Elefantenorden und der Dannebrogorden. Aufgabe insbesondere des erstgenannten war die Verteidigung des christlichen Glaubens auf Weisung des Papstes. Die Hexenverfolgung und Hexenverbrennungen waren seinerzeit in Dänemark genau so „populär“ wie in Deutschland und anderen Staaten.

Nun haben die Ritter des Mittelalters und ihre Greueltaten rein gar nichts mit den Wikingern zu tun. Die sind nun mal eine Spezialität der nordischen Länder. So gesehen waren im frühen Mittelalter in Dänemark sogar zwei gefürchtete Mörderbanden unterwegs. Zudem sind Ritterspiele in Deutschland zwar auch üblich aber längst nicht in dem Umfang wie der Wikingerkult in Dänemark gehuldigt wird.

Schlussendlich geht es mir auch nicht darum, Wikingerfeste- und Treffen und den ganzen Tohuwabohu darum an den Pranger zu stellen sondern darum, dass man sich vielleicht auch einmal darüber Gedanken macht, wer die Wikinger überhaupt waren. Mit den lustigen Figuren in den Andenkenläden (als Sparschwein) haben die jedenfalls nichts gemein.
Für mich hat dieser Wikingerkult zumindest einen gewissen faden Beigeschmack.

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BeitragVerfasst: 03.03.2019, 15:16 
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Hinnerk hat geschrieben:
1)Nun haben die Ritter des Mittelalters und ihre Greueltaten rein gar nichts mit den Wikingern zu tun. Die sind nun mal eine Spezialität der nordischen Länder. ....
2)Für mich hat dieser Wikingerkult zumindest einen gewissen faden Beigeschmack.


Zu 1) Nun ja, vielleicht geografisch nicht, aber ansonsten gibt es genügend Parallelen. Zumindest klaffen bei der Thematik „Ritter“ romantisierende Fiktion und brutale Realität ebenso weit auseinander, wie es beider Thematik „Wikinger“ der Fall ist.

Zu 2) Ich denke solange neben Kitsch und Fiktion á la Wiikingerspiele/ -feste u.ä. die historische Wahrheit, soweit wir sie überhaupt kennen, genauso deutlich vermittelt wird wie Kitsch und Fiktion vermittelt werden, ist wenig daran ( u.a. Vermarktung) auszusetzen.
Ein paark interessante Hinweise zum Mythos Wikinger:
https://www.zeit.de/2014/38/wikinger-mythos-wahrheit-ausstellung/komplettansicht

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BeitragVerfasst: 03.03.2019, 15:31 
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Kairos hat geschrieben:
Hinnerk hat geschrieben:
Kairos hat geschrieben:
Vor allen Dingen ist es kriegsstrategisch dumm, seine Gegner abzumetzeln. Besser ist es, den Gegner zu verwunden. Ein verwundeter Soldat bindet 3 Soldaten.

Heute trifft das zu. Vor über 1000 Jahren wohl eher nicht.

Ist wohl so. Die Dänen sollen mal Clausewitz lesen, anstatt grundlos über andere Völker herzufallen.

Ach herrje, da hat schon wieder einer Clausewitz nicht verstanden.


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BeitragVerfasst: 03.03.2019, 16:46 
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Der Versuch, die Wikinger als wahre Menschenfreunde hinzustellen scheitert angesichts der unzähligen Dokumentationen über diese Personengruppe nordischer Völker. Leider konnte ich den Zeit-Artikel nur zum Teil lesen, da ich die Online-Ausgabe nicht aboniert habe.

Da ist es so wie mit der Elektromobilität. Wer dafür ist findet jede Menge wissenschaftlicher Gutachten und Untersuchungen die belegen (sollen), dass das Elektroauto die Verheißung ist und uns aus dem derzeigen Dilemma von Klimawandel, CO2 und Stickoxiden rettet. Der Dieselfan und Leugner des Klimawands aber findet für seine Sichtweise der Dinge ebenfalls „Beweise“.
Und so ist es eben auch bei den Wikingern. Jeder glaubt an das, was er/sie im Netz oder sonst wo findet. Da spielt die Quelle keine Rolle. Wenn ich mich aber etwas intensiver mit der Thematik auseinandersetze und mich durch den Fundus der Unibibliothek in Oldenburg arbeite komme ich zu „meinem“ Schluss, zu dem es keiner Interpretation bedurfte.

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BeitragVerfasst: 03.03.2019, 17:43 
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Hinnerk hat geschrieben:
Der Versuch, die Wikinger als wahre Menschenfreunde hinzustellen...


Wer tut das denn?
In dem Bericht zu dem Nachbau einer Wikingerbrücke (und darauf hast Du Dich ja eingangs bezogen), sehe ich davon nichts. Zu einer stattfindenden Ausstellung heißt es im Text:
Zitat:
Die Besucher lernen eine „Wikingerfamilie“ kennen, deren Geschichte sie durch den Weg durch die Ausstellung verfolgen. Dabei geht es um die andere Seite der Erzählungen über die Wikinger. Nämlich Wikinger nicht als die kriegerischen und plündernden Seefahrer, sondern um den ganz normalen Alltag der Wikinger zu Hause, als Bauern im Vestegnen.

Das heißt doch nichts anderes, als dass es wie die Erkenntisse zur Historie der Wikinger nachweisen, das Leben der Wikinger unterschiedliche Facetten hatte.

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BeitragVerfasst: 03.03.2019, 17:59 
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Hinnerk hat geschrieben:
1) Der Dieselfan und Leugner des Klimawands aber findet für seine Sichtweise der Dinge ebenfalls „Beweise“. ....
2) Und so ist es eben auch bei den Wikingern. Jeder glaubt an das, was er/sie im Netz oder sonst wo findet. Da spielt die Quelle keine Rolle. Wenn ich mich aber etwas intensiver mit der Thematik auseinandersetze und mich durch den Fundus der Unibibliothek in Oldenburg arbeite komme ich zu „meinem“ Schluss, zu dem es keiner Interpretation bedurfte.

OT
1) Ein „Dieselfan“ (wie auch ich) muss nicht zwangsläufig Leugner eines möglichen Klimawandels sein.
2) Auch der Fundus der Bibliothek der Carl von Ossietzky - Uni (Uni Oldenburg) ist nicht unendlich*** ; und selbst wenn Du ihn zu einem bestimmten Thema in Gänze durchforscht hättest, ließe das Ergebnis Deiner Bemühungen trotzdem weitere Interpretationen zu.
***PS
:wink: Zum Glück, denn sonst müßte ich noch heute dort sitzen ... :wink:

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