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BeitragVerfasst: 02.11.2004, 09:51 
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...

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<b>"De måske egnede" - Peter Høeg</b>

Vieles von dem, was ich über Høegs "Smilla" geschrieben habe, gilt auch für diesen Roman (bitte dort nachlesen: www.dk-forum.de/forum/link.asp?topic_id=2814). "De måske egnede" (auf deutsch "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels", auf englisch "Borderliners") ist 1993 erschienen, also ein Jahr nach "Smilla", und ihr in vielerlei Hinsicht ähnlich.

Das gilt insbesondere für die Hauptfigur, den 16jährigen, elternlosen Peter. Er versucht zu verstehen, warum sich die angesehene Kopenhagener Privatschule, an der er seit einem Jahr untergebracht ist, überhaupt mit ihm abgibt, einem eher durchschnittlich begabten Aussenseiter, und sogar mit einem anderen Waisen, dem hochgradig verhaltensauffälligen August. Mit der kürzlich ebenfalls verwaisten Katarina schließen sie eine Art Schicksalsgemeinschaft und versuchen gemeinsam zu ergründen, was es mit einigen jüngsten Änderungen und den strikten Regeln an ihrer Schule auf sich hat. Was, von aussen betrachtet, vielleicht fast banal erscheinen kann, ist aus Peters Perspektive von äußerster Wichtigkeit und bald auch höchster Dramatik.

In meinem Beitrag zu "Smilla" habe ich bereits geschrieben, dass Høeg gerne Außenseiter als Hauptpersonen wählt und sie in seiner Handlung gnadenlos weiter traktiert, physisch und psychisch. Zartbesaitete Leser kann ich vielleicht insoweit beruhigen, dass der Roman, wenn auch mit keinem "happy ending", so doch mit einem versöhnlichen und hoffnungsvollen Ende aufwartet.

"De måske egnede" ist, verglichen mit dem literarischen Durchschnitt, sicher ein aussergewöhnlich gutes Buch. Als Nachfolger der hervorragenden "Smilla" muss sich der Roman aber mit dieser vergleichen lassen, und da fällt er, finde ich, doch etwas zurück. Ich kann nicht genau sagen, woran das liegt, aber vielleicht daran: Er erscheint mir im Vergleich doch ein wenig konstruiert. Sowohl Situation und Handlung, als auch einige der handelnden Personen, als auch der hier ebenfalls vorhandene philosophische Kontext. Ich hatte ein wenig den Eindruck, Høeg habe hier einige Elemente mit verwoben, die er vorher in "Smilla" nicht unterbringen konnte. Insbesondere das vorletzte Kapitel gleitet ab in ein hemmungsloses Dozieren -- wohlgemerkt das <b>vor</b>letze Kapitel, also nicht das letzte überlesen, sonst verpasst man den Schluss!

Etwas Rätsel gibt die Tatsache auf, dass die Hauptperson "Peter Høeg" heisst, also wie der Autor selbst. Die gesamte Handlung ist eindeutig zu konstruiert, um eine echte autobiographische Begebenheit zu sein, aber man fragt sich doch, ob die Geschichte nicht einen wahren Kern in Høegs -- also des Autors -- Leben haben könnte. Das wenige, was ich über den Autor Peter Høeg im Internet gefunden habe, würde dem jedenfalls nicht widersprechen. Vielleicht ist es aber auch nur ein Spässchen des Autors, denn auch in "Smilla" hat Høeg sich hier und da selbst untergebracht: Während eine der Hauptpersonen "Peter" heisst, gibt es auch einen toten Statisten mit dem Nachnamen "Høeg".

Mein Fazit: Sehr gutes Buch, aber nicht ganz so überzeugend wie "Smilla".

-- snorri


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BeitragVerfasst: 28.03.2013, 00:22 
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Lieber Martin,
fast hätte ich einen eigenen Thread aufgemacht, aber nun habe ich Deinen Thread gefunden, und es ist ja eigentlich noch nicht zu spät, zu antworten.
Falls Du Dich noch an das Buch erinnerst .....

Ich hab es erst zur Hälfte durch, aber es beschäftigt mich sehr, wobei ich den deutschen Titel -bisher - bescheuert finde.
Ich habe mir den dänischen Titel als "Der vielleicht Geeignete" übersetzt - liege ich da richtig ?

Vieles, von dem was er über die Erziehung von Waisenkindern, "Sozial oder psychisch" auffälligen schreibt, finde ich verstörend. Besonders die Gewalt, die Erniedrigung, der sexuelle Mißbrauch.
Das Fehlen menschlicher Wärme, die Verwaltung von Kindern wie in einem Warenlager.

Das mit einer teuren Privatschule zu verbinden, oder mit Grundvigts Gedanken bringe ich nicht so recht zusammen.

Ich finde das Buch hat heftige Sprünge und kann sich nicht so recht entscheiden, will es ein Roman sein oder eine Anklager sozialer Mißstände. Beides gelingt ihm nicht so recht.

Manches ist beklemmend gut, z.B. die Frage, wie Kinder lernen, was Zeit ist, und wie Zeit zur Disziplinierung des modernen Menschen genutzt wird.
Andererseits habe ich das schon viel expliziter und verständlicher gelesen - bei Michael Endes "Momo", die grauen Herren!

Wir lesen das Buch in einem Literaturzirkel und ehrlich - sonst hätt ich´s schon weggelegt. Vielleicht auch weil es sehr sperrig ist, und sich wenig flüssig liest.

Mal sehen, wie ich´s dann insgesamt beurteile, ich werd mich noch bis zum Ende durchbeißen.
Nun bin ich gespannt, ob ich auch so lange warten muß wie Martin, bis einer antwortet, das wäre schade :roll:


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BeitragVerfasst: 28.03.2013, 02:48 
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moin frosch

neeeee...musste nicht, also so lange warten....
ich werde aus bekannten gründen...(siehe dein fred) das buch lesen...
booah...hätt ich jetzt echt nicht gedacht, dass ich das echt lese... :roll:
bin grad echt frottiert
FRØKEN SMILLAS FORNEMMELSE FOR SNE war ja schon krass.... kennen wir doch alle, den film oder das buch... aber das ich echt noch "De måske egnede" lese...neeee nääää... :shock:

hilsen...

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Bodil


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At vove er at miste fodfæstet et øjeblik, ikke at vove er at miste sig selv.
Søren Kirkegaard 1813 - 1855

Livet kan være kort. Så kys langsomt, elsk meget, le højt, tilgiv dumheder og fortryd aldrig noget der fik dig til at smille

EURO: NEJ TAK


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BeitragVerfasst: 28.03.2013, 10:48 
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Beiträge: 1733
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Moin Bodil

Nett, daß Du eingestiegen bist, mal sehen, ob bzw. wann Martin das mitbekommt :wink:

Ich bin gespannt, was die Leute im Literaturzirkel sagen werden, und werd davon hier mal auch etwas reinstellen.


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BeitragVerfasst: 29.03.2013, 06:00 
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Wohnort: NWM,23923, near Baltic Sea. Amt Schönberger Land). Tyskland (Muttersprache Dänisch)
moin Frosch....

jepps...let´s wait and see.. @ Martin....

oh ja..DAS FEEDBACK vom Literaturzirkel würde ich dann auch gerne lesen :P

hilsen

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Bodil


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BeitragVerfasst: 05.04.2013, 11:02 
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Beiträge: 3944
Wohnort: Hvergelmir
frosch hat geschrieben:
Moin Bodil

Nett, daß Du eingestiegen bist, mal sehen, ob bzw. wann Martin das mitbekommt :wink: Ich bin gespannt, was die Leute im Literaturzirkel sagen werden, und werd davon hier mal auch etwas reinstellen.


Ihr habt schon gemerkt, dass Martins Beitrag
aus dem Jahr 2004 ist und er seinen letzten Beitrag 2010 geschrieben hat.

:roll: :roll: :roll: :roll: :roll:

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BeitragVerfasst: 05.04.2013, 15:02 
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Registriert: 05.08.2006, 18:44
Beiträge: 1733
Wohnort: Osnabrücker Land, Berlin
Also ich hab das Buch erstmal durch und so als erste Einschätzung:
Das erste Drittel, wo es viel um den Umgang mit Außenseitern im vielgelobten dänischen Erziehungssystem geht, finde ich anrührend bis bedrückend und insgesamt gut.
Das zweite Drittel habe ich eher überflogen, die vielfachen Anspielungen auf einen repressiv verwendeten Zeitbegriff eher schwach, in Michael Ende´s "Momo" waren die Zeitdiebe (die grauen Herren) viel deutlicher charakterisiert.
Das letzte Drittel ist außerordentlich inhaltsreich mit vielfachen philosophischen Betrachtungen über die Zeit und ihren Charakter.
Høeg´s Einschätzungen würde ich zum großen Teil nicht folgen, aber gerade in diesem Teil ist vieles von ihm sehr brilliant und unheimlich zum Denken und weiterlesen animierend. Als erstes habe ich mir Stephen Hawking "Kleine Geschichte der Zeit" zu gelegt, aber das ist alles andere als leichte Lektüre.

Insgesamt scheint mir dieser Høeg ein sehr ungewöhnliches, ja sogar außerordentliches Buch zu sein, zum Lesen sehr empfohlen.


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